2017 ist das Jahr, in dem ich vier Monate in einer fremden Stadt, einem fremden Land gelebt habe. Das erste Mal von zuhause ausgezogen in eine Stadt, in der der Asphalt so rutschig wird, wenn es regnet, dass du aufpassen musst, nicht hinzufallen. Weil Barcelona nicht für den Winter gemacht ist, nicht für den Regen, sondern lebt, wenn die Sonne scheint. Wenn die Menschen auf der Straße tanzen, jung und alt, bunt durcheinander, weil sie gerade gute Musik hören und es ein schöner Sonntag ist. Eine Stadt, so lebendig und bunt, dass sie manch einen überrollen wird. Aber wenn man von den Bunkers auf die Stadt blickt, vorzugsweise zum Sonnenauf-oder Untergang, dann fühlt es sich auf einmal so an, als wäre „Freiheit“ in den Himmel geschrieben. Man sagt, man lernt sich selbst an einem fremden Ort am besten kennen – und ehrlich gesagt hielt ich das (von der festen Überzeugung getrieben, ein sehr selbstreflektierter Mensch zu sein) für Mumpitz. Doch mittlerweile bin ich persönlich sehr sicher, dass ich in Barcelona zwar viel über alle möglichen Fächer der Uni gelernt habe, aber dass das größte „Learning“ Erkenntnisse über mich selbst waren. Wer bist du, wenn dein Umfeld auf einmal nicht dein ständiger Begleiter ist? Wer würdest du sein wollen, wenn du noch einmal neu beginnen könntest? Und woran willst du an dir selbst arbeiten?

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2017 habe ich gelernt, dass in der Welt unterwegs zu sein (und sei es nur für eine kurze Zeit) einem die Möglichkeit gibt, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu lernen. Zu lernen, dass es andere Menschen gibt, die Dinge anders machen (wie z.B. der sehr sehr andere Tag-Nacht-Rhythmus der Katalanen) und dass das genauso richtig und gut ist, wie die eigene persönliche Herangehensweise. Zu verstehen, dasses auch heute noch große Differenzen gibt, dass es uns verdammt gut geht und dass es unsere Pflicht ist, alles mögliche dafür zu tun, dass wir eine Welt hinterlassen, die ein Stück Erde ist, auf dem wir später vielleicht einmal eine Familie gründen wollen.  Und zu erfahren, dass man an jedem Ort der Welt zuhause sein kann. Wenn man seinen Herz und seinen Geist öffnet und diese bunte, wunderschöne Welt auf sich wirken lässt. Denn dann ist Zuhause kein Ort mehr, den man auf einer Landkarte mit einer Stecknadel markieren könnte. Sondern ein Gefühl, dass man in seinem Herzen mit sich tragen kann.

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2017 ist das Jahr, in dem ich die größte persönliche Entwicklung gemacht habe. In dem ich realisiert habe, dass die Richtung ändern nicht nur sinnvoll, sondern manchmal notwendig ist, um zu wachsen. Dass es zwar wunderbar muckelig warm in der Komfortzone ist, die größte Veränderung aber dann stattfindet, wenn man sie verlässt.

2017 ist das Jahr, in dem ich am meisten gelacht habe. In welchem ich mich ertappte, wie ich von einem Ohr bis zum anderen grinste, weil ich einfach pure Freude empfand. 2017 ist aber auch das Jahr, in dem ich bitterlich geweint habe. In dem es mir auch so schwer viel, Abschied zu nehmen, von meinem treuen Begleiter und besten Freund, den ich heute noch so sehr vermisse. Und dabei ist es genau das, was das Leben ausmacht. (Unfassbar) gute Momente und welche in denen man alles in seiner Macht stehende tun möchte, um sie zu verhindern. Freude und Schmerz – und in der Lage zu sein, beides zum empfinden.   Am 31. Dezember dort zu stehen, zurückzublicken und dankbar zu sein, mit einer Art von Ruhe im Herzen, dass man dieses Jahr so vieles erlebt, so viele Erinnerungen geschaffen hat. Dass man Fehler gemacht hat, manche groß, manche klein. Dass man aus ihnen gelernt hat – oder sie die Kopfschmerzen am nächsten Morgen absolut wert waren. Ehrlich mit sich selbst zu sein, im positiven und im negativen. Am 1. Januar 2018 aufzuwachen und keine sinnlosen Vorsätze, aber eine Motivation zu haben, die einen antreibt, was immer das Ziel auch sein mag. Und glücklich zu sein. Das wäre doch mal ein ziemlich passabler Vorsatz.

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1 Kommentar zu “2017.

  1. Ein sehr schöner, berührender Rückblick. Komm gut an im neuen Jahr, liebe Linn, und empfinde darin vor allem Glück, Liebe und Geborgenheit. Bleib gesund, und bewahre Dir Deinen weltoffenen und zugleich so differenzierenden, kritischen Blick.

    In diesem Sinne viele freundliche und liebe Grüße an Dich!

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