Personal & Opinion

Monats-Moin Juli

Wenn ich einen Monatsrückblick schreibe, dann sitze ich meistens da, erstaunt darüber, wie schnell dieser Monat vorbeigegangen ist und zusätzlich erstaunt über die Tatsache, dass mir spontan so gar nichts über diesen Monat einfällt.  Und dann scrolle ich durch meine Bilder und überfliege die Notizen, die ich mir in dieses kleine, fast volle Notizbuch gekritzelt habe und schon sind fast 1000 Wörter niedergeschrieben, durch die sich nur die Harten im Garten durchkämpfen. Und Vorhang auf für den Monatsrückblick Juli:

Alles in allem

war der Juli eher der steinige Aufstieg des Berges, bei dem man sich ständig fragt, wieviele Felsen denn noch auf einen warten können. Viel Stress, wenig Schlaf, stärkstes Migränewetter und viele Sorgen um meinen Hund, der den Großteil des Monats in der Tierklinik verbracht – der Monat hätte besser laufen können. Haben wir alle mal, wird auch wieder besser laufen. Was hilft? Einen Gang zurückfahren, das Smartphone mal beiseite legen oder zumindest vom gleichzeitiger Beschallung Netflix, Insta & Co. auf Podcasts umsteigen.  Ich teste da gerade ein paar unterschiedliche Serien und bin für neue Vorschläge immer offen – also her damit!

Urlaub 

Die Urlaubsplanung für meine Familie gestaltete sich durch die Erkrankung unseres Hundes ziemlich schwierig. Denn wer Nächte durchgemacht und dabei seinen desolat aussehenden Hund in den Schlaf gekrault hat, der lässt ihn ungerne zuhause zurück, um es sich selbst in südlichen Gefilden gut gehen zu lassen. Zwei Wochen bei allerfeinsten Hamburger Schietwetter sind aber dann doch nicht wirklich entspannend und da wir alle mal einen Wechsel unserer vier Wände vertragen konnten, ging es ganz spontan nach Sankt Peter Ording (oder wie die coolen Leute das hier nennen: SPO). Wie sich herausstellt, haben wir damit aber eine fantastische Entscheidung getroffen, denn unser Motel ist wirklich süß, es hat eigene Sticker, die jetzt mein Macbook verschönern und dem Hund geht es so gut wie nie.

Und so sitzen wir nun Pizza-essend auf dem Balkon unseres wunderwunderschönen Zimmerchens und blicken (in meinem Fall sonnnenverbrannt) auf die Nordsee. Urlaub am Meer ist Balsam für Geist und Körper und lädt zumindest meine Batterien vollständig auf. Ich kann mir wenig schöneres vorstellen, als mit matschigen Füßen stundenlang am Meer zu wandern und den ersten Kaffee bei Sonnenaufgang mit Blick auf die Nordsee zu genießen. 5 Tage voller Bücher, Jogginghosen und ab heute definitiv mehr Sonnencreme – Life is good.

Nachgedacht

Habe ich diesen Monat viel über meine Ernährungsweise und meinen Konsum. Nun ist die ganze Vegan-Thematik zumindest in vielen Bios bei Instagram angekommen, nichtsdestotrotz lohnt es sich über diesen „Trend“ mal ein bisschen genauer nachzudenken. Denn was mich stört ist die Doppel-Moral und das Wegschauen in meiner  Generation. Ohne in einen „Früher war alles besser“-Sprech zu verfallen (ehrlich gesagt kann ich das nicht beurteilen, da ich damals noch nicht gelebt habe) – zu Zeiten meiner Oma gab es mal ein Huhn oder ein Kaninchen, das man vorher gefüttert und aufgezogen hat. Das Fleisch wurde geschätzt und dem Tier mit jedem Bissen gedankt. Heute ist das Fleisch mundgerecht als Burgerbullette beim Discounter für weniger als zwei Euro zu finden. Der günstige Preis führt dazu, dass viel gekauft wird, der Hunger muss ja gestillt werden. Wobei das, was derzeit in Deutschland als Fleisch konsumiert wird, nicht mehr als Hunger auf Fleisch, sondern übermäßigen Appetit bezeichnet werden muss. Und das Tier, was dahinter steht, was sein Leben geben musste – das landet im Müll. Für nichts. Das ist irgendwie eine Kultur, mit der ich mich nicht anfreunden kann und die ich nicht unterstützen möchte. Das soll hier absolut keine Maßregelung sein, denn das ist nicht meine Aufgabe, in euer Essverhalten möchte ich meine Nase nicht stecken. Aber vielleicht appellieren, euch fragen, ob ihr das Tier, dass da vor euch liegt, auch töten könntet – und ob es nicht auch mit weniger Fleisch geht. Denn wenn wir alle uns mal auf einen gesunden Konsum zurückbesinnen, dann ist mit wenig Aufwand eine ganze Menge für die Welt getan.

Learnings: 
  1. Ferdinand von Schirach ist ein wahnsinnig kluger Geist. Sein Buch „Terror“ habe ich damals auf dem Flug von Hamburg nach Barcelona verschlungen und auch seine Essay-Sammlung „Die Würde ist antastbar“  ist empfehlenswert! Was ich euch in diesem Zusammenhang auch wirklich erneut ans Herz legen möchte: Support your local bookstores! In nahezu jedem Bücherladen kann man innerhalb eines Tages so ziemlich jedes Buch bestellen, da ist Prime keine Ausrede mehr. Und ja, ich bin mir bewusst, dass das ein oder andere Buch bei Amazon sogar einen Tick günstiger ist – verbucht die Differenz notfalls als Karma-Investment und helft mit, dass Bücherläden erhalten bleiben!

  2. Man kann sich auch prima an der Nordsee sein Gesicht verbrennen, wenn man eine Wollstrickjacke anhat und es 19 Grad Celsius sind. (Don’t try this @home, kids) Ich weiß, dass man ehrlich darüber keine Witze machen sollte, denn auch wenn sich Lobster-Linny furchtbar lustig anhört, ist eine Hautverbrennung jetzt nichts, was man feiern sollte. Fettes Memo an mich also, mir morgen auch bei leicht bewölkten Himmel die Schnute einzucremen.

  3. Das Leben wirft einem manchmal Steine in den Weg, bei denen man sich fragt, welches Schwerverbrechen man sich bei dieser Karma-Retourkutsche geleistet hat. Und es ist wichtig, sich dann auch mal auf den sprichwörtlichen Boden der Tatsachen zu setzen und eine Runde zu weinen, zu motzen oder richtig genervt zu sein. Nichtsdestotrotz sind wir alle nur mit diesem einen Leben ausgestattet (gut, das variiert nach Glaubenseinstellung) und wir machen es uns nicht leichter, wenn wir den Stein, der uns gestern von den Füßen gefegt hat, beim Herunterkollern zusehen.  Und natürlich hört es sich immer so herrlich leicht gesagt an, wenn  jemand neunmalkluges im Internet einem vorschlägt, manche Dinge einfach mal durchzuwinken und bei Niederlagen wieder aufzustehen. Nein, das kann einem keiner abnehmen, das wird auch nicht durch drei Motivationsquotes auf Instagram einfacher. Aber vielleicht durch die Erkenntnis, dass man seines eigenen Glückes Schmied ist und ganz alleine entscheiden kann, mit welcher Einstellung man den neuen Tag beginnen will.

3 comments on “Monats-Moin Juli

  1. Sehr interessanter Montasrückblick. Das mit deinem Hund tut mir sehr leid, ich habe selbst Haustiere und weiß wie sehr man mitleidet, wenn es denen nicht gut geht. Ich hoffe es geht wieder Berg auf 🙂
    Ich habe Podcasts jetzt erst neu für mich entdeckt, besonders gerne höre ich die von Lina Mallon, zum Einschlafen ist das wesentlich entspannender und förderlicher, als sich abends noch die volle Dröhnung mit dem Smartphone zu geben.
    Dein Urlaub hört sich super an und Learning Nummer drei kann ich nur unterschreiben!
    Liebe Grüße:)
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de/

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    • Lieben Dank, habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut! Den Podcast von Lina finde ich auch toll, insbesonders der neue Weekly Podcast hat es mir angetan!
      Beste Grüße zurück 🙂

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  2. Ich hoffe, deinem Hund geht es schon wieder besser. Es ist wirklich schrecklich, wenn es den Tieren im Leben schlecht geht. Man kann ihnen ja auch nicht erklären was los ist und kann nur versuchen, ihr Leiden ein wenig zu verringern.
    Ich bin auch sehr dafür, dass man keine Bücher bei Amazon bestellen sollte! Klar kann man sich dort Inspirationen holen, aber schlussendlich ist es wirklich kein großer Aufwand, ein Buch in die Buchhandlung zu bestellen und dann dort abzuholen. Und wie schön ist es bitte, dort zwischen den Neuerscheinungen und den Empfehlungen der Mitarbeiter zu stöbern?
    Liebe Grüße

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