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Mensch sein – ein Kommentar zur #ehefueralle

Seit gestern, dem 30.06.2017 dürfen künftig gleichgeschlechtliche Partner den rechtlich bindenden Status der Ehe eingehen. Eine Abstimmung im Bundestag entschied sich mit einem 393 zu 226 stehendem Votum für die Anpassung der Ehegesetze – ein wichtiger Schritt, der von Menschen ungleich ihrer sexuellen Orientierung gelobt und bejubelt wird. Dass dieses Thema, wie jedes Aufsehen erregende, vor allem für politische PR genutzt wird, ist nicht wirklich charmant, aber sollte auch nicht für verblüffte Gesichter, das achte Weltwunder entdeckend sorgen. Meine ganz eigene, persönliche Meinung der Thematik gegenüber möchte ich in diesem Text kurz darlegen und bitte dabei zu (be-) achten, dass es sich um einen Kommentar handelt – dem zugestimmt und natürlich auch widersprochen werden darf – sofern dies den uns im Kindergarten beigebrachten Benimmregeln entspricht. Wer homophobe und verachtende Kommentare zum besten zu geben hat, dem sei nun das freundliche Schließen des Browserfensters empfohlen. 

Wer einen Menschen liebt und der Welt offiziell zeigen möchte, dass er diesen Menschen als Teil seiner Familie sieht, der heiratet. Zumindest bedeutet das Ehe für mich – eine Entscheidung getroffen aus Liebe, Verbundenheit und bedingungslosen Rückhalt. (Und so eine Aussage als Scheidungskind, skandalös) Sicher, es gibt zahlreiche andere Gründe, aber reduzieren wir es der Einfachheit halber für ein paar Minuten auf diesen.  Warum sollte man dem Menschen dieses Recht erstmal grundsätzlich aberkennen? Nun klar, da gibt es die katholische Kirche – nur hat sich leider gezeigt, dass deren Ratschläge eher wenig zukunftsorientiert gedacht sind – Stichwort Hexenverbrennung oder Frauen, die sich bilden! Zudem leben wir in 2017, einem Jahr, in dem wir uns mAn kein solch rückschrittliches Denken erlauben können. Zukunftsorientiert, das wollen wir so unbedingt sein, ein weltweit angesehenes Land und dann muss doch tatsächlich viel zu lange darüber diskutiert werden, ob man Menschen als Menschen wahrnehmen kann oder auf ein unsinniges Klassensystem beharrt.

Diversität ist eine Stärke, keine Schwäche. Und dennoch werden in vielen Ländern Menschen mit homo- oder bi-sexueller Orientierung wie Abschaum behandelt. Es ist wichtig, dass Zeichen gesetzt werden, die für das gleichberechtigte Dasein des Menschen stehen, unabhängig seiner sexuellen Orientierung, Hautfarbe, Herkunft oder seinem Glauben. Ich bin froh und dankbar, dass Menschen nun offiziell ihre Liebe und Verbundenheit erklären dürfen. Aber eigentlich ist das hier nicht der Hashtag lovewins der angebracht ist, sondern humanitywins – Menschlichkeit gewinnt. Die Freiheit sich rechtlich als Ehepartner zu binden oder eben nicht – wie man selbst das möchte. Entscheidungen treffen, die (zumeist) auf jahrelangen Vertrauen und Verbundenheit basieren – diese Möglichkeit sollte jedem Menschen unabhängig seiner Partnerwahl gegeben sein.

Nichstdestotrotz endet es hier nicht. Ähnlich der Gleichberechtigung im Arbeitsleben für Frauen, kann auch solch eine Entscheidung nur dann langfristig eine Veränderung bewirken, wenn sie in den Köpfen der Menschen stattfindet. Wenn akzeptiert wird, was eigentlich keine Diskussionsfrage sein sollte, wenn Fairness und Menschlichkeit die Pfeiler sind, auf denen unsere Diskussionen basieren. Menschen auf so etwas, wie die Frage ob man nun Mann oder Frau oder beides liebt zu reduzieren, halte ich für kleingeistig und wenig weitsichtig – ein Grund weshalb dieser Text nicht von Homosexuellen spricht – schließlich setze ich auch nicht einen anderen Teil der Bevölkerung mit seiner Einstellung diesbzgl. gleich und rede nur von den Heterosexuellen.  Ein humanes Individuum kann nicht wie in einem Psychotest aus einer Klatschzeitschrift anhand seiner Merkmale oder Einstellungen ausgezählt und einer Schublade zugeordnet werden – daher bringt eine Reduktion auf einen einzelnen  Punkt immer einen Verlust wertvoller Informationen über diesen Menschen mit sich.

Und erst wenn wir anfangen, wirklich jeden Menschen, als Menschen zu sehen und ihm seine Rechte auch voll anerkennen, können wir als Gesellschaft davon profitieren, wie großartig bunt und divers wir sind –  und das ist doch mAn ein ziemlich erstrebenswertes Ziel. 

 

Image: Pexels

2 comments on “Mensch sein – ein Kommentar zur #ehefueralle

  1. Unterschreibe ich von ganzem Herzen gern, Deinen Eintrag, einschließlich seines sehr treffenden und das Wesen der Sache auf den Punkt bringenden Schlusssatzes liebe Linn.

    Viele schöne und liebe Wochenendgrüße an Dich!

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  2. Sehr schöner Blogpost. Ich finde die Art wie du schreibst einfach nur klasse.

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