Mit dem Bloggen ist es ein bisschen wie mit Whatsapp-Verläufen, die man erst nicht beantwortet, weil man keine Zeit hat, nur um noch später aus purer, nicht vorhandener Motivation weiter auf eine Antwort zu verzichten. Und dann gehen zwei Wochen ins Land und man sitzt auf seinem Hosenboden, sich ernsthaft fragend, mit welcher fadenscheinigen Ausrede und semi-ernsthaften Entschuldigung man nun das Gespräch wieder starten könnte.

  • Mein Hund hat unseren Internetrouter zerstört (gelogen aka schlecht fürs Karma)?
  • Ich habe meine Passwörter vergessen (nicht ganz unrealistisch aber seit der Einführung des Schlüsselbundes auch keine Ausrede mehr)?
  • Oder doch ganz theatralisch „Ich hab den Sinn des Lebens gesucht“? (Was meiner letztwöchigen Beschäftigung wohl tatsächlich am Nähesten kommt)

Denn wenn man der ganzen Geschichte realistisch ins Auge sieht, dann bleiben mir nur noch zwei Semester oder auch ein Jahr, um einen weiteren Plan für mein Leben auserkoren zu haben. Konnte ich noch mit gutem Gefühl mein Abitur ablegen, wissend, dass der Plan für die nächsten 3 Jahre feststand, scheint diese Zeit an mir unfassbar schnell vorbeigerannt zu sein. Und auch, wenn der liebe Gott oder eher unser Bildungssystem vor den übernächsten Schritt den nächsten alias die Bachelorarbeit gesetzt hat, gilt es sich der Thematik zumindest anzunähern.

Master? Praktikum? Berufsleben? Und wenn ja, welcher Beruf? Versteht mich nicht falsch, ich liebe nach wie vor das Schreiben und bin der festen Überzeugung dass mich meine Neugierde und mein Bedürfnis, komplexe Inhalte zu verstehen entweder in den Ruin oder den Journalismus treiben werden (für manche ist dieser übrigens mit Ruin gleichzusetzen) und doch haben sich viele spannende Möglichkeiten aufgetan, die mir vor meinem Studium noch nicht so bewusst waren. Ich habe neue Stärken an mir entdeckt, die auch in anderen Berufsfeldern nützlich sein könnten und neue Herausforderungen, die mir Spaß machen. Und wenn ein Master, warum dann nicht in einer neuen Stadt, einem neuen Land? Die Welt scheint so vieler Möglichkeiten und ich habe ernsthaft die letzten zwei Wochen damit verbracht zu schmieden, zu verwerfen und mit dem Gedanken gespielt eines dieser „ja, nein“ Orakel zu befragen.  Ich brauche keinen wasserdichten, sicheren Plan für die nächsten 1000 Tage, doch ich suche nach einer Richtung, einem Wegweiser in diesem Dschungel aus Möglichkeiten.

Und wo ich hier schon bei meinem endlosen Geschwafel über Möglichkeiten angekommen bin, möchte ich an dieser Stelle noch etwas loswerden, ohne den dieser Post nicht vollständig sein könnte. Ich bin dankbar, dass ich hier stehe, mit so vielen Möglichkeiten und dass ich mein Morgen und Übermorgen plane.

Anderen Menschen ist diese Möglichkeit nicht gegeben, weil sie durch Armut und Terror keine Chance auf Bildung haben oder nicht mal eine Chance auf ein Morgen. Ich hab mich über das Gefühl, dass die Anschläge der vergangenen Wochen in mir auslösten, erschrocken. Weil es fast schon Akzeptanz war, aus der Gewohnheit heraus, dass uns uns diese Nachrichten scheinbar täglich erreichen. Und das kann so nicht richtig sein. Wir können und dürfen nicht akzeptieren, dass Menschen die Chance auf ihr eigenes, kostbares Leben genommen wird. Wir müssen trauern und uns gegenseitig trösten. Dürfen niemandem die Bühne bieten, aus diesen Situationen Pr-technisch Profit zu schlagen. Denn wenn die Menschheit eines nicht brauchen kann in solchen Notlagen, dann eine Kluft zwischen uns, basierend auf Nationalität und Religion.  Unten seht ihr das Video des Benefizkonzertes, das mich sehr berührt hat. Zusammenhalten, verbunden sein, durch Musik, durch Liebe, durch den Glauben an das Gute.  {nicht verwirren lassen durch die ersten paar Minuten black Screen}

 

3 Dinge, die ich diesen Monat (kennen-) gelernt habe: 

1. „I believe that we learn more from questions than from answers. Because when we are questioning something, we’re invested in taking some sort of information or grappling with some sort of ignorance that makes us feel uncomfortable“

 

2. Die Suche nach dem perfekten Rucksack kann einen schon mal mehrere Tage kosten – schließlich soll dieser nicht nur das Chaos in meinem Kopf in Ordnung bringen und genügend Fächer haben, um einen mittelgroßen Schreibtisch unterzubringen, sondern auch noch halbwegs schnieke aussehen. Und bitte kein Plastik-Mist, der nach zwei Wochen auseinander fällt, sondern einer, der mit mir die letzten Semester durchsteht. Mit etwas Glück bin ich aber am Wochenende fündig geworden und sobald das gute Stück hier eintrifft und für empfehlenswert befunden wird,  folgt ein Artikel hier auf dem Blog!

3.  Sechs Bücher für 12 Euro zu erwerben löst ein viel größeres Glücksgefühl in mir aus, als die 349690. Strickjacke mein Eigen zu nennen. Unter http://www.aktion-buch.de findet ihr Geschäfte in Hamburg die gebrauchte Bücher aus allen Kategorien für 2-4 Euro verkaufen. Ich habe super spannende Literatur gefunden, auf die ich ansonsten vielleicht nie aufmerksam geworden wäre und finde es großartig, es so für jeden möglich zu machen, ein Buch zu kaufen. Da mein eigenes Buchregal ebenfalls aus allen Nähten platzt, werde ich wohl bald mal aussortieren müssen und alles, was bei mir vielleicht keinen Platz mehr findet, kann dann von jemand anderem gelesen werden. Großen Pluspunkt gibt es auch für die Tatsache, dass die Aktion Menschen mit Handicap beschäftigt und ein Großteil der Bücher an öffentliche oder gemeinnützige Organisationen gespendet werden.

linn denmark bw blog may-7.png

2 comments on “Monats-Moin Mai

  1. Ich kann deine Situation gut nachvollziehen. Bei mir ist es andersherum, ich stehe jetzt davor im Oktober mit dem Studieren zu beginnen, bin aber trotzdem ungewiss, obwohl ja bereits ein ,,Plan“ für die nächsten drei Jahre existiert.
    Oft sind es gerade die x-verschiedenen Möglichkeiten, die wir zwar glücklicherweise haben, die uns die Entscheidungen aber umso schwerer machen.
    Ich bin mir sicher, dass du deinen Wegweiser findest, oft kommt es am Ende sowieso ganz anders als erwartet:)
    Liebe Grüße.
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de

    Gefällt mir

    • Da hast du absolut Recht, ich hab mal einen spannenden TEDTalk gesehen, in dem genau das bestätigt wurde: Dass wir uns einfach viel schwieriger entscheiden können, wenn wir alle Möglichkeiten zur Auswahl haben und dass uns das ganz schön unglücklich machen kann haha. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für dein Studium und eine tolle Zeit als Studentin!

      Liebe Grüße,
      Linn

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: