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Lange Nacht der Zeit / Werden Roboter irgendwann intelligenter als die Menschen sein?

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass ich ein kleiner Nerd in Sachen Technologie, Forschung und Biologie bin und Vorträge zu diesen Themen immer äußerst gespannt verfolge. Im Rahmen der langen Nacht der Zeit (mehr Informationen weiter unten) hatte ich vergangenen Samstag die Möglichkeit einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Künstliche Intelligenz – Werden die Roboter der Zukunft intelligenter sein als wir?“ zuzuhören. Eingeladen wurden der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Onur Güntürkün und der Informatiker Oliver Brock. Von zwei unterschiedlichen Fachgebieten aus kommend, die in dem Thema der KI (Künstliche Intelligenz) aufeinander treffend, gaben sie Einblicke in das, was der aktuelle Stand ist und was uns in den nächsten Jahren erwarten mag. Da ich die Diskussion sehr interessant und lehrreich fand und der festen Überzeugung bin, dass uns diese Thematik in den nächsten Jahren mehr und mehr beschäftigen wird, gibt es heute einen kurzen Artikel zur Veranstaltung und ein paar weiterführende Links.

Unser Gehirn, das (Nicht-)Mysterium

Eingestiegen in die Grund-Fragestellung, ob nun Roboter in naher Zukunft oder auch später als intelligenter als der Mensch bezeichnet werden könnten, gilt es erst einmal den Begriff der Intelligenz zu definieren. Prof. Dr. Güntürkün bricht es auf einen Grundsatz herunter: Im Grunde ist Intelligenz die Fähigkeit ein Problem, eine komplexe Aufgabe zu lösen. Dies kann auf viele unterschiedliche Arten und Weisen bei unterschiedlichen Geschöpfen der Erde passieren, eines haben sie aber alle gemein: Sie basieren auf der Informationsverarbeitung und der Frage nach dem „Wie schnell“ (kann diese Information  verarbeitet werden) sowie dem „Wie lange“ (kann diese Information behalten werden). Genau erklären kann man die Prozesse in dem Rechenwerk unseres Körpers noch nicht, dem Prof. zufolge ist das aber nur eine Frage der Zeit. Das Gehirn sei kein Mysterium, sondern eine Forschungsaufgabe, die mit genügend Geduld, Zeit und Arbeit gelöst und bewerkstelligt werden könnte.

Schach-Matt, lieber Mensch?

Auf der anderen Seite machen in letzter Zeit Rechensysteme und Roboter Schlagzeilen, dass sie mit künstlicher Intelligenz in der Lage sei, den Menschen nicht nur im Schach sondern auch in weiteren Disziplinen zu schlagen. Oliver Brock zufolge entsteht diese Annahme durch die Tatsache, dass Computer und Roboter oft in der Lage seien, Aufgabenstellungen, die dem Menschen schwerfallen, leicht und schnell zu lösen. Dies sei z.B. dadurch gegeben, dass ein Rechner einfach in Windeseile sämtliche Strategien aus seinem System analysieren und anwenden könnte. Dem menschlichen Gehirn fehlen schlichtweg die Kapazitäten, alle möglichen Spielzüge zu behalten, zu analysieren und das für jede Figur gleichzeitig. Wir verlassen uns in der Regel auf unsere Intuition.

Doch auf der anderen Seite fallen technischen Systemen Aufgabenstellungen, die ein 4-Jähriges Kind erledigen könnte, unheimlich schwer. Denn eine Eigenschaft, die uns allen vermutlich nicht bewusst ist, spielt eine wesentliche Rolle in unserem Entscheidungsprozess. Ist der Computer in der Lage sämtliche Informationen direkt abzurufen und miteinander zu vergleichen, schafft es der Mensch direkt unwichtige Informationen auszublenden. Wir fragen uns also nicht , während wir uns unsere Schuhe zubinden, ob wir für diesen Vorgang uns an das Wissen aus dem Geschichtsunterricht erinnern müssen, sondern handeln ganz einfach. Ein Roboter hingegen fragt innerhalb seines Systems alle möglichen Faktoren nach ihrem Einfluss auf die zu treffende Entscheidung ab, ein deutlich langwieriger Prozess.

Und die Zukunft?

Und übernehmen nun Roboter unser Leben? Muss ich mir als Journalistin Sorgen machen, dass bald der Algorithmus meinen Job erledigt? Schließlich behauptet eine Studie, dass in nicht allzu ferner Zukunft 50% der Jobs keine menschliche Arbeitskraft mehr benötigen würden und auch im Patentrecht wird Prof. Dr. Brock zufolge schon auf technische Rechenleistung gesetzt. Er selbst ist der Meinung, dass insbesondere automatisierte Prozesse von Roboten übernommen werden können – aber auch bis diese wirklich in den meisten Branchen einsatzbereit seien, wäre es noch ein weiterer Weg.

Nichtsdestotrotz ist die Fragestellung wie Roboter in unser Leben eingreifen werden eine ethische.  Genauer gesagt sind es zwei Grundprobleme mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Erstens: Wollen wir, dass künstliche Intelligenz mehr IQ Punkte vorweisen kann, als wir? Prof. Dr. Güntürkün zufolge könnte es nach erfolgreichen Erforschen des Gehirnes durchaus möglich sein, einen IQ von 300 in eine Maschine, (weiterhin aber nicht in einen Menschen) einzubauen. Und wollen wir, dass Rechensysteme, die ganz anders lernen, als wir, vielleicht sogar als legale Rechtspersonen anerkannt werden? Schließlich werden sie Entscheidungen treffen, die heute noch ein Mensch trifft. Und was machen wir mit der ganzen freien Zeit, wenn Roboter uns so vieles abnehmen können? Seit Anbeginn der Menschheit haben wir stetig unsere Produktivität erhöht und unsere Arbeitsprozesse effizienter gemacht, trotzdem nimmt Stand heute das Arbeitsverhältnis einen großen Teil unseres Tagesverlaufes ein. Was ist der Sinn und Zweck des Lebens (so pathosgeladen das klingen mag) wenn wir alle nur auf unserem Hintern sitzen könnten. Wonach streben wir, wenn wir unseren Prozess soweit optimiert haben, dass wir nicht mehr oder kaum involviert sind?

Es bleiben also noch viele Fragezeichen über den Köpfen, insbesondere, wenn es um die Zukunft und den Anteil von Robotern im täglichen Leben geht. Aber diese Frage können und werden nicht durch wissenschaftliche Innovationen geklärt, denn das der technische Fortschritt kommen wird, davon sind alle überzeugt. Prof. Dr. Güntürkün zufolge kann diese Fragestellung nur von der Gesellschaft im Konsens beantwortet werden. Wir müssen uns der Thematik bewusst werden und darüber diskutieren, künstliche Intelligenz nicht als Zukunftsvision abtun – denn ich bin überzeugt davon, dass sie schon viel schneller Einzug in all unsere Haushalte finden wird, als gedacht.

Link-Tipps:

  1. TEDTalk „3 principles for creating safer AI“
  2. Zeit-Akademie Video mit Onur Güntürkün „Was Intelligenz ausmacht“Zeit-Akademie Video mit Onur Güntürkün „Was Intelligenz ausmacht“

Die Lange Nacht der Zeit

Die lange Nacht der Zeit ist eine jährliche Veranstaltung, organisiert von der Wochenzeitung  „Die Zeit“ die zu zahlreichen interessanten Vorträgen in ganz Hamburg einlädt. Die Expertengespräche sind kostenfrei, für einige ist jedoch eine Anmeldung nötig. Hierbei gilt „First come, first serve“ daher den nächsten Tag am besten schon mal mit Erinnerung im Kalender eintragen.

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