Leseempfehlungen Personal & Writings

Vier gute Vorsätze für „Nach-Barcelona“

Meine Zeit in Barcelona schreitet immer weiter voran und obwohl ich eigentlich realitätsnah genug angehaucht bin, um Vorsätze für eine eher semi-sinnvolle Idee zu halten, habe ich mir trotzdem ein paar Punkte notiert, die ich gerne beibehalten oder ändern möchte, sobald ich wieder zu Hamburger Nieselregen aufwache. (Dass das schon in drei Wochen der Fall sein wird, freut und erschreckt mich übrigens zu gleichen Teilen. ) Spoiler: Sie enthalten nicht den Vorsatz mehr Sport zu machen oder jegliche Vorfreude auf eine abgesenkte Tagestemperatur, werden dafür aber begleitet von „malerischen“ Impressionen von einem Ausflug auf den Tibidabo, den ich jedem in Barcelona nur ans Herz legen kann.

1. Sprachen lernen

Nur wer mehr als  eine Sprache spricht, wird Menschen anderer Kulturen und Nationen richtig kennenlernen und verstehen. Ich habe während meiner Schulzeit Französisch, Spanisch und während des Studiums Schwedisch gelernt und doch ist einfach durch das „Nicht-Sprechen“ so viel verloren gegangen. Dabei ist es so ein faszinierendes Gefühl, wenn man U-Bahn fährt und sich erst nicht sicher ist, in welcher Sprache die Ansage gerade eben kam, weil die Informationen sprachunabhängig einfach direkt im Gehirn verarbeitet werden. Von den ganzen, tiefer gehenden Konversationen, die man mit anderen Menschen führen kann mal ganz zu schweigen.Wer viele Sprachen spricht, fühlt sich in der Welt zuhause. Und das ist ein Gefühl, was ich persönlich für mich spätestens in meinem Auslandssemester entdeckt habe. Daher lautet einer meiner Vorsätze für „Nach-Barcelona“: So oft es geht Sprachen (er-)lernen, üben und sprechen. Und dabei am besten Kontakte auf der ganzen Welt knüpfen.

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2. Mehr lesen (und sich selbst bilden)!

Lesen bildet. Daran besteht (zumindest für mich) kein Zweifel. Sicher, es kommt auf die Wahl des Mediums an und wenn die Überschrift eines Jugend-Mediums sich fragt, ob Genital-Lollies nun der heiße Shit sind, dann frage ich mich hingegen, ob das wirklich notwendig ist. Aber davon mal abgesehen gibt es so viele gute Artikel und Bücher von klugen Köpfen und Menschen, die die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten oder einfach genau das erklären, was für viele (inkl. meiner Person) ein Rätsel mit sieben Siegeln ist. In Barcelona habe ich mir endlich die Zeit genommen und fleißig Bücher gelesen und dabei festgestellt, dass die nicht nur deutlich spannender als das 164986. Katzenvideo auf Facebook sind, sondern vor allem auch einfach einen smarteren Menschen aus mir machen. Mein Ziel ist es daher, bis Ende des Jahres mind. 52 Bücher gelesen zu haben und  mir aktiv die Zeit dafür zu nehmen – Handy auf Flugmodus eingeschlossen.

// Ich stelle euch übrigens nächste Woche noch ein paar Bücher vor, die oben auf meiner Buch-Bucketlist stehen, Vorschläge eurerseits sind wie immer sehr willkommen!

Allgemein will ich mich selbst noch mehr bilden. Denn wenn ich mir die Menschen anschaue, die ich als mein Vorbild titulieren würde, dann haben sie vor allem eines gemeinsam: Sie sind smarte, gebildete Menschen, die stets ihren Horizont erweitern wollen und denen das „Warum“ immer wichtiger ist, als das „Was“.

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3. Fotografie und Bildbearbeitung lernen

Etwas ganz anderes, eher technisches habe ich ebenfalls für mich (wieder-) entdeckt. Und zwar möchte ich gerne viel besser in Fotografie und Bildbearbeitung werden. Lag der Fokus meines Blogs bisweilen auf Texten, waren Bilder immer nur ein „Ach, ich brauche noch ein Titelbild oder eins für Instagram“. Aber durch Barcelona und meinen Wunsch, euch die Stadt so nah wie möglich zu bringen, ist auch mein Interesse an der Fotografie wieder geweckt worden. Als Schülerin hatte ich ein halbes Jahr lang in meinem Kunstkurs eine Einführung in Blende und Verschlusszeit, aber so vieles ist meistens irrelevant gewesen, weil man nur „mal eben schnell“ ein Foto machen wollte, die zigtausend Follower (hust, hust) warten schließlich sicherlich genau auf mein eines Bild. Da ich in meinem Großvater aber einen begeisterten Vollformat-Nutzer habe, der meine Kunstklausur ohne Üben mit 15 Punkten bestanden hätte, werde ich da nach meiner Rückkehr wohl mal wieder in die Lehre gehen.  Und da ich, auch was den Rest des Prozedere angeht, mit guten Kontakten gesegnet bin, heißt es wohl demnächst „Hallo Lightroom“ statt „Hallo Photoshop Elements“ — zumindest wenn es nach meinem Kollegen und Fotografie-Ass Ben geht.

4. Mehr Konversationen mit fremden Menschen (außerhalb meiner eigenen Filter-Blase)

Ich bin kein schüchterner Mensch. Sicher, mein Herz klopft, wenn ich mich vor einer riesigen Menschenmenge vorstellen muss – aber ich schließe recht schnell neue Bekanntschaften. Nichtsdestotrotz war ich unsicher als ich nach Barcelona kam. Weil das hier eine neue Situation ist, die Würfel neu gemischt wurden, ich mir nicht sicher war, ob Muttersprachler mich für mein Englisch kritisieren würden (das Gegenteil ist der Fall). Und dann setzte sich eine Amerikanerin neben mich, streckte mir freundlich lächeln die Hand hin und sagte „Hey, I am Shreya, nice to meet you.“ Es folgten nicht nur unfassbar witzige Konversationen, ein paar Tage Spontan-Urlaub auf Malle sondern auch der Beginn einer wirklichen Freundschaft.

Wir Menschen tendieren dazu unsere eigene Filter-Blase klein zu halten. Sicher, wir sind alle furchtbar connected, haben dutzende Kontakte auf Facebook und um halbwegs seriös zu erscheinen auch auf Xing oder LinkedIn – doch die Menschen, die wir nach ihrer Meinung fragen sind in der Regel dieselben. Weil wir sie einschätzen können, ihre Position auf unserer Pro-Contra-Liste eigentlich schon vorher kennen. Und wir lernen die Freunde unserer Freunde kennen, die in der Regel die gleichen Interessen haben oder zumindest das selbe Gesprächsthema. Bis zu dem Moment, aus der man aus seinen kleinen Filterblase zumindest herausgeschmissen wird, ob gewollt oder ungewollt, sich im Ausland neben eine Person setzt und feststellt: „Ach du Schande, die findet Trump nicht so hirnrissig wie ich“. Und während der erste intuitive Ansatz ist, möglichst schnell zu flüchten, mit den Augen zu rollen und sich lieber seine Meinung bestätigen zu lassen, sollte man doch eigentlich eher versuchen, den eigenen Horizont zu erweitern. Dass ich mich schwer damit tue, ein gutes Haar an dem amerikanischen Präsidenten zu lassen, das steht auf einem anderen Blatt – und doch muss ich akzeptieren, dass Menschen von ihm überzeugt sind und mir zumindest ihre Argumente anhören. Denn sonst bin und bleibe ich dumm und blind.

4 comments on “Vier gute Vorsätze für „Nach-Barcelona“

  1. Das sind schöne aber auch anspruchsvolle Vorhaben. Ich spüre aber schon bei Deinem Vortrag derselben, wie viel Wollen und Enthusiasmus Du dafür in Dir trägst.

    Linn, wie schafft man es jede Woche ein Buch zu lesen? 52 Wochen hat das Jahr, mindestens 52 hältst Du für realistisch zu lesen. – Ich schaffe so ein Pensum nicht mal annähernd, obwohl ich sehr, sehr gern lese. Aber nach einem vollen Arbeitstag, nach weiteren Verpflichtungen, angesichts Familie und, ich gestehe, häufig auch einfach zu-sehr-erschöpft-sein, vermag ich oft nicht mal mehr eine einzige Zeile zu lesen (mal abesehen vielliecht von ein bisschen Zeitung). Und, wenn ich’s versuche, dann weiß ich am nächsten Tag meist nicht mehr, was ich eigentlich gelesen habe. – Also, wie schaffst Du das?

    Tipps für (aus meiner Sicht) gute Bpücher hätte ich freilich einige, allerdinsg sind es eher nicht so die ganz aktuellen Sachen. Aber es gibt ja durchaus zeitlos gute und lesenswerte Bücher. Und da könnte ich schon das eine oder andere nennen. – Gibt es denn etwas, was Dich mehr interessiert als anderes? Was liest Du generell gern? Was ist Dir womöglich eher zu schwer? Welche Genres bevorzugst Du?

    Viele nur freundliche und liebe Grüße an Dich!

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    • Ich bin schon als kleines Kind eine Leseratte gewesen und erinnere mich daran, noch am ersten Weihnachtsfeiertag einen dicken Wälzer mit 500 Seiten verschlungen zu haben, weil mich das Buch so gefesselt hat! Ich lese relativ schnell und versuche mir abends mind. nochmal 20 Seiten vorzunehmen, sozusagen als „Zu-Bett-Geh“-Ritual! + ein paar Stunden am Wochenende und schon ist das Buch durchgelesen – wobei ich natürlich auch immer zwischen längeren und kürzeren Büchern abwechsle! Ich merke einfach, wie gut mir Lesen tut und dass ich insbesondere dann gut schlafe, wenn ich vorher gelesen anstatt ferngesehen habe!

      Genre-Technisch bin ich total offen, ich lese eigentlich fast alles was mir in die Finger kommt, gerne auch etwas worüber man länger nachdenken muss! Liebesgeschichten sind jetzt nicht so 100% meins aber wenn die gut geschrieben ist und vielleicht auch noch ein anderes Thema behandelt, dann immer her damit!

      Liebe Grüße aus Barcelona! 🙂

      Gefällt mir

      • Ich bin trotzdem zugleich sprachlos und fasziniert, dass Du so schnell und ioffenbar dennoch alles gut verarbeitend zu lesen vermagst. Du scheinst da im Übrigen nicht die Einzige zu sein. Wahrscheinlich bhin ich die Ausnahme … – Eigentlich ist es ja egal, wie schnell jemd zu lesen vermag. Allerdings habe ich insoweit noch so viel vor und sehe doch immer deutlicher, dass die zeit denn doch endlich ist …

        Na ja – ich möchte Dir aber ein paar erste Vorschläge machen, wie gesagt, ERSTE, bei Gelegenheit lasse ich sicher noch mal den einen oder anderen folgen.

        Mein erster:

        „Nachtzug nach LIssabon“ von Pascal Mercier. –

        Der Roman ist großartig, voller eigener Spannung und Philosophie, in für die heutige Zeit bemerkenswert sorgfältiger Sprache geschrieben. Ich LIEBE ihn! Ich habe dazu mal eine recht ausführliche Rezension geschrieben, die findest Du bei Bedarf hier .

        Mein zweiter:

        Das sind gleich zwei Romane, die aber in einem gewissen Zusammenhang miteinander stehen. Es sind zwar eigenständige Themen und Geschichten, aber der zweite Roman geht dann doch schließlich auf den ersten zurück. – Es handelt sich um

        „Die Stadt der Blinden“ und „Die Stadt der Sehenden“ von Jose Saramago (Literaturnobelpreisträger).

        Der erste beschäftigt sich mit dem Szenario einer ausbrechenden Epedemie und dem darauf folgenden Verhalten von Menschen, der zweite nimmt eine Wahl in einem fiktiven Land zum Ausgangspunkt, bei der alle aus Unzufriedenheit mit den Politkern nur weiße Zettel abgeben … – Beide Romane sind von der Thematik und ihrer Entwicklung her hochinteressant und aktuell, in zwar eigener Sprache (Interpunktion) geschrieben, aber sehr flüssig zu lesen. Und sie sind spannend!

        Der dritte:

        „Die Insel“ von Robert Merle.

        Robert Merle lese ich überhaupt gern. Sehr unter die Haut geht vor allem „Der Tod ist mein Beruf“. „Malevil“ ist eine düstere aber hochspannende Endzeitivision. „Die geschützten Männer“ nimmt sich dem Umgang der Geschlechter miteinander in sehr spezieller Weise an und entwickelt einen durchaus bizarren, aber sehr interessanten Ausblick.

        „Die Insel“ beginnt wie ein Abenteuerroman, und irgendwie bleibt er das auch. Entwicklung zwischenmenschlichen Austauschs, zwischenmenschlichen Zusammenlebens, entsprechender Konflikte und Beziehungen unter den Bedingungen erzwungener Absgeschiedenheit und Angewiesensein aufeinander sind das Thema. Enthält so viel, was Philosophisch-psychologisches Denken inspiriert aber nie überfordert. Ist sehr gut geschrieben!

        Und der vierte, ein bisschen aus aktuellem Anlass´, weil er in Barcelona spielt:

        „Im Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafon. – Ich habe mich vor Jahren, nachdem ich ihn ausgelesen hatte, kurz hier mit ihm beschäftigt. Der Artikel enthält übrigens noch einen Hinweis auf einen auch, auf seine Art, bemerkenswerten Roman, der aber kaum noch zu erhalten sein sollte, weil ich ihn auf einem „Friedhof der vergessenen Bücher“ gefunden habe. – Genau auf so einem Friedhof beginnt auch die geheimnisvolle Geschichte des Romans von Zafon …

        Soweit meine ersten Empfehlungen, liebe Linn. – Ich lese auch unterschiedliche Genres, und hier und heute sind natürlich noch nicht alle davon thematisiert worden. Vielleicht ist aber unter den heute gemachten Vorschlägen doch schon etwas, was Dich anspricht und Du noch nicht gelesen hast, bislang. Es würde mich freuen … (Und vielleicht lässt Du mich hernach ja mal wissen, was Dir wie gefallen hat.)

        Ganz liebe Grüße an Dich!

        Gefällt 1 Person

      • Ich komme leider erst jetzt dazu, dir zu antworten (bzw. nicht mal das funktioniert gerade bei WordPress) und mich für deinen ausführlichen Kommentar mit den Buchtipps zu bedanken, ich werde sie direkt mal mit auf meine Mai-Buchliste setzen!! Freut mich wirklich unheimlich, dass du dir die Zeit genommen und mir einen so ausführlichen Kommentar geschrieben hast, gute Buchtipps sind Gold wert!

        Beste Grüße aus Barcelona!

        Gefällt 1 Person

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