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Equal Pay Day 2017 – Facts & Thoughts

Nachdem wir vor kurzem erst den IWD (International Womens Days) feierten und gestern so manch einer mit grüngefärbten Schopf zu Ehren St.Patricks Day durch die Straßen torkelte, steht das nächste jährliche Ereignis, zumindest in Deutschland,  auf dem Plan. EPD und GPG sind zwei Abkürzungen, die uns heute, am 18. März 2017 beschäftigen (sollten) – doch was hat es mit diesen beiden, dreibuchstabigen Abkürzungen auf sich und weshalb ist das insbesondere (aber längst nicht nur) für erwerbstätige Frauen relevant?

Was ist der, die, das EPD?

Die offizielle Seite des Equal Pay Days, denn dafür steht diese smarte Abkürzung, sagt dazu:

„Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell 21 Prozent in Deutschland beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage und das Datum des nächsten EPD am 18. März 2017. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.“ – Geschäftsstelle des Equal Pay Days

In Deutschland ist der EPD seit 2008 ein fester Bestandteil. Nach dem amerikanischen Vorbild, der „Red Purse Campaign“, welche bereits 1988, also zwanzig (!) Jahre früher startete, führte auch hier die Initiative „rote Tasche“ den EPD ein. Der Begriff der „roten Tasche“ steht equalpayday.de zufolge für die symbolischen roten Zahlen, die Frauen schreiben würden, während die Bilanzen der Männer in den gleichen Jobs positiv seien. Der EPD soll darin erinnern und auch dazu aufrufen, die Ungerechtigkeit aufzulösen.

Doch sprechen wir mal etwas genauer über diese Ungerechtigkeit: Wie kann es sein, dass ein Mann in Deutschland im Durchschnitt 21% mehr verdient als z.B. seine Partnerin?

Die mystische Gender Pay Gap

Um diese Zahl zu verstehen, gilt es erstmal einmal die Begriffe bereinigte und ungereinigte  Gender Pay Gap, aka GPG zu definieren. Die im deutschen Volksmund bekannte Lücke von 21% gibt die unbereinigte Pay Gap wieder, also den

„prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen zu dem der Männer“ – Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend

Was hierbei aber nicht berücksichtigt wird, ist, dass viele Frauen in sozialen Berufen arbeiten, die leider immer noch deutlich schlechter bezahlt sind, als der Vorstandsvorsitzende von VW zu sein.  Auch sind Teilzeitbeschäftigte in der Regel weiblich, da Sie versuchen Familie und Arbeit vereinbaren zu können. So kämen laut Geschäftsstelle des Equal Pay Days zufolge Männer auf eine wöchentliche Stundenzahl von 39,4 während Frauen im Durchschnitt 30,5 Stunden bezahlt arbeiten würden. Ich schreibe hier bewusst bezahlt, denn bei der unbezahlten Arbeit haben die Frauen die Nase vorn. 31 Stunden in der Woche investieren Sie, ohne dass davon am Ende des Monats etwas auf dem Kontoauszug zu sehen ist,  Männer kommen im Durchschnitt auf 19,5 Stunden. Auch schwankt die Gender Pay Gap innerhalb Deutschlands stark – in den neuen Bundesländern liegt sie bei etwa 9 %,  im Westen bei 23. Das liegt der Geschäftsstelle des EPD daran, dass im Westen eher Industrieregionen zu finden seien, während im Osten der eher von Frauen besetze Dienstleistungssektor vorherrsche.

Um neben all dieser Faktoren doch eine Zahl zu haben, die direkt Männer und Frauen in den gleichen Berufen mit den gleichen Qualifikationen und einer ähnlichen Ausbildung vergleicht, wurde die bereinigte Gender Pay Gap ins Leben gerufen. Hierbei werden Faktoren wie Branchenunterschiede in den Gehältern herausgerechnet, sodass in Deutschland noch 7% GPG verbleiben. (Aber auch hier schwanken die Angaben, je nach Quelle wird nur von 1,8 % bereinigter GPG gesprochen). Fest steht, die GPG ist und bleibt auch nach „Bereinigung“ vorhanden. Und selbst wenn Sie im Familienleben mit einem männlichen Hauptverdienenden noch irgendwie zu verschmerzen ist, stellt sie spätestens bei Renteneintritt eine starke Einschränkung und eventuelle Abhängigkeit dar.

An dieser Stelle ein persönlicher Kommentar meinerseits: Ich finde es kleingeistig, jemanden oder seine Arbeit aufgrund seines Geschlechtes weniger wertzuschätzen. Und ich bin ehrlich verwundert, wenn Unternehmen so leicht das Risiko eingehen, eine gute, qualifizierte Arbeitskraft zu verlieren, indem sie genau diese Wertschätzung nicht erbringen. Und auch noch #2cents zu den Unterschieden der Branchen. Wie kann es sein, dass die Person, die unser Kind erzieht, unsere Eltern pflegt und mit beidem Kostbares unseres Lebens verantwortet, so viel weniger verdient als (hello Klischee) jemand, dessen Beruf darin besteht, das Runde ins Eckige zu zimmern?  Um langfristig eine Gleichberechtigung zu ermöglichen, muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden – eine Wertschätzung sozialer Berufe sollte ebenso selbstverständlich sein, wie die Tatsache, dass Väter in Elternzeit gehen. 

Gute Aussichten gibt es trotzdem: Island, das Land, das wir spätestens seit der Fußball EM 2016 alle auf dem Zettel haben, hat per Gesetz entschieden, dass ab dem Jahr 2022 jedes Unternehmen, dass mehr als 25 Mitarbeiter beschäftigt, nachweisen muss, dass Männer und Frauen auf der gleichen Position das gleiche Gehalt verdienen. Und überhaupt stehen die Isländer weiterhin an der Spitzenposition in puncto Geschlechter-Gleichberechtigung im Job, so berichtet das World Economic Forum. Anstatt sich also in feinster Copy-Cat-Manier einen Sport-Schlachtruf abzuschauen, wäre es doch mal eine nette Abwechslung sich auch in der Wertschätzung von Arbeit an den Nordeuropäern zu orientieren.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen, ersten Einblick in die Materie geben, tatsächlich gäbe es noch viel mehr zu sagen, als nur diese knapp 900 Wörter. Nichtsdestotrotz habe ich hoffentlich euere Aufmerksamkeit und euer Interesse für das Thema wecken können und hier ein paar weiterführende Links parat:

  1. Seite des Equal Pay Days
  2. Artikel des World Economic Forums (in englischer Sprache
  3. European Commission on Gender Equality (in englischer Sprache)
  4. Bericht des Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  (sehr ausführlich)

 

Bild: Pexels

2 comments on “Equal Pay Day 2017 – Facts & Thoughts

  1. Toller Eintrag mal wieder, liebe Linn! –

    Wann kommen wir endlich dahin, dass so ein Tag in den Medien mindestens genauso, besser und notwendiger aber viel, viel stärker in den Fokus gerückt wird, als der „Tag der Jogginghose“ oder der „Valentinstag“ oder sonst so ein Gedöns?

    Schöne Wochenendgrüße an Dich!

    Gefällt mir

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