Business & Education Lese-Empfehlungen Personal & Opinion

Das Prinzip der multiplen Intelligenzen

INTELLIGENZ (Substantiv [die])

  1.  die Fähigkeit, insbesondere durch abstraktes logisches Denken Probleme zu lösen und zweckmäßig zu handeln.
    „praktische/theoretische Intelligenz“
  2.  Kollektivbezeichnung für Intellektuelle.
    „Er zählt sicherlich zur Intelligenz seines Landes.“

Ich bin mir sicher, dass sich jetzt die Hälfte von euch wundert, weshalb ich hierzu eine Definition hineinkopiere, denn wer braucht für so etwas wie Intelligenz eine Definition? Schließlich lässt sich das entweder als IQ messen oder man schaut halt irgendwie auf die Leistungen in Schule, Arbeit und Studium und schließt daraus, wie intelligent jemand ist. Nur stellt sich dann die Frage, ob man mit diesem Ergebnis wirklich etwas gewonnen hat. Denn ist nur der intelligent, der lineare Algebra auch im Schlaf vorwärts und rückwärts beherrscht?  Was ist zum Beispiel mit dem, der Mozart und Beethoven Konkurrenz macht, dem eine Deutschklausur aber ein Grauen ist? Muss der intelligente Mensch ein Universalgenie sein? Oder einfach nur in das klassische Bild einer Gesellschaft passen, die als essentielle Hauptfächer noch immer Deutsch, Mathematik und Englisch voraussetzt?

Vor genau diesem Problem stand auch Howard Gardner, dessen Prinzip der multiplen Intelligenzen ich erst vor kurzem in einer Vorlesung kennenlernte.  Nein, damit ist nicht der im Flüsterton stattfindende Austausch in der letzten Reihe bzgl. Frage 7b gemeint, sondern ein Konzept, das die Intelligenz in acht Unterkategorien aufspaltet. Das Zusammenspiel aus ihnen allen erst gäbe dem Menschen die Fähigkeiten, ein Problem zu erkennen, zu analysieren und zu einer Lösung zu kommen. Denn im Gegensatz zu einem Psychotest à la „welche Pizza bist du?“ gibt es bei Gardner keine eindeutige Einordnung, vielmehr sind alle Intelligenzen vorhanden, jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt. Doch genug Theorie-Vorwort, hier kommen Gardners 8 Intelligenzen:

Bildlich-räumliche Intelligenz

Beginnen wir mit der ersten, der bildlich-räumlichen Intelligenz, und damit auch der, die bei mir eindeutig unterdurchschnittlich stark ausgeprägt ist. Menschen, die auf diesem Gebiet Stärken aufweisen, können Gegenstände in ihrer Größe und Form einordnen, analysieren und ihre Strukturen erkennen. Typische Berufsfelder sind u.a. Architekten, Piloten, Ärzte aber auch Künstler wie da Vinci oder Picasso. Wer von einer bildlich-räumlichen Intelligenz geprägt ist, der wird vermutlich nicht nur in den Einstellungstest mit Würfelmodellen gut abschneiden, sondern sich Wissen auch durch das Anfassen und Modellieren erschließen können.

Interpersonale Intelligenz

Menschen, die hingegen eine starke Interpersonale Intelligenz aufweisen, sind das, was man so ähnlich auch häufig unter dem Begriff empathisch kennt. Sie können Menschen gut verstehen, ihre Intentionen nachvollziehen und sich in Sie hineinversetzen. Eine Eigenschaft, die in der Regel Experten zufolge auch gute Politiker und Menschen in sozialen Berufen aufweisen. Wer sich mit dieser Ausprägung identifizieren kann, soll z.B. durch Lernen in der Gruppe den Stoff deutlich besser verinnerlichen.

Intrapersonale Intelligenz

Neben der interpersonalen Intelligenz gibt es eine weitere, die ganz ähnlich klingt und das ist die inTRApersonale Intelligenz. Wer sich jetzt den Namen ableitet, der wird sich bereits denken können, worin die Stärke dieser Menschen liegt. Anstatt die Gefühle der anderen zu analysieren, sind diese Personen in der Lage, ihre eigenen Emotionen, Stärken und Schwächen zu verstehen und sehr selbstreflektiert aufzutreten. Typischerweise ist die intrapersonale Intelligenz bei Schauspielern oder Künstlern und Schriftstellern stark ausgeprägt.

Sprachlich-Linguistische Intelligenz

Eine Intelligenz, die bei mir eher stark ausgeprägt ist, ist die sprachlich-linguistische Intelligenz. Menschen dieser Kategorie zeichnen sich durch ein Sprachverständnis sowie Gefühl aus und sind in der Lage, Sprache zu verändern und zu ihrem Vorteil zu gebrauchen. Unabhängig davon, ob es sich dabei um das schriftliche oder gesprochene Wort handelt.

Logisch-Mathematische Intelligenz

Es gibt einfach diese Menschen, die man vor ein Problem setzt und die das ganze erstmal logisch angehen. Die, bei denen man heimlich die Mathematik – oder Physikhausaufgaben abgeschrieben und sich immer gewundert hat, wie die das verstehen konnten. Diese Sorte Menschen haben in der Regel eine stark-ausgeprägte logisch-mathematische Intelligenz. Sie sind in der Lage, wissenschaftliche Aufgabenstellungen zu lösen und verzweifeln auch nicht an der 5079399. Kurve in Analysis. Gardner zufolge zählen Naturwissenschaftler, Mathematiker und auch Logiker zu dieser Kategorie.

Musikalisch-rhythmische Intelligenz               

Das schöne am Schreiben dieses Blogposts ist, dass mir sehr bewusst wird, welche Intelligenzen ich bei der Auswahl im Genpool nicht so sehr mitgenommen habe. Denn davon, musikalische Zusammenhänge zu erkennen, ein Stück zu komponieren oder auch nur den richtigen Ton zu treffen, bin ich weit entfernt. Nicht so Menschen mit musikalisch-rhythmischer Intelligenz zu denen Gardner natürlich auch berühmte Komponisten wie Mozart und Beethoven zählt.

Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Eine weitere Intelligenz ist die körperlich-kinästhetische Intelligenz, die besonders ausgeprägt bei Sportlern und Menschen, die sich in ihrem Job durch ihren Körper ausdrücken (Tänzer und Schauspieler z.B.) ist. Gardner zufolge zählen zu dieser Kategorie Menschen aber auch Chirurgen und Handwerker, da es in ihrem Alltag ebenfalls oft darum geht, ein Problem durch den praktischen Gebrauch des Körpers, wie der skalpellführenden Hand, zu lösen.

Naturalistische Intelligenz

Die Intelligenz, die Gardner erst später zu seiner Liste ergänzte, ist die naturalistische Intelligenz. Sie beschreibt die Fähigkeit, die z.B. Forscher wie Darwin aufweisen, nämlich Naturphänomene zu analysieren, zu beobachten und daraus Rückschlüsse auf größere Zusammenhänge schließen zu können. Aber auch zum Beispiek Köche sollen eine starke naturalistische Intelligenz aufweisen.

Und der Vollständigkeit halber sollte noch eine Intelligenz erwähnt werden, bei der Gardner sich nicht ganz sicher ist, ob sie eine weitere Kategorie darstellen könnte: die existentielle Intelligenz. Diese Ausprägung ist wohl oft bei Menschen zu finden,  die sich speziell mit den existentiellen Fragen des Lebens auseinandersetzen und diese analysieren, was wohl auf Philosophen wie Satre und den Dalai Lama zutrifft.

Ich wage zu mutmaßen, dass ihr während des Lesens bereits einige Gemeinsamkeiten mit den jeweiligen Ausprägungen festmachen konntet. Und obwohl Gardner Modell bis heute umstritten ist, legen einige Schulen nach wie vor auf großen Wert auf das Konzept des Amerikaners. Denn unabhängig davon, ob man jetzt wissenschaftlich beweisen kann, dass Menschen Ausprägungen verschiedener Intelligenzen hätten, bringt Gardners System meiner Meinung nach etwas ganz anderes wichtiges mit. In einem Bildungssystem, dass kaum Spielraum zwischen einer schwarzen Zahl innerhalb von 1 bis 6 lässt, ist es essentiell, zu verstehen, dass Defizite in einer Disziplin der Intelligenz keinen Abbruch tun. Würde man beispielsweise meinen IQ ausschließlich anhand von Würfelmodellen messen, ich wäre nicht intelligenter als ein paar Meter Feldweg. (Und ich erachte mich schon als intelligenter als ein Feldweg, nur so nebenbei). Jeder Mensch hat gewisse Stärken und Schwächen und,  ohne jetzt melodramatisch abzudriften,   es ist wichtig, zu wissen, was einem persönlich bei der Problemlösung helfen kann. Denn in einer komplexen Welt kommen wir nur voran, wenn wir uns den Herausforderungen stellen und auch mal unseren eigenen Lösungsvorschlag präsentieren – der nicht zwangsläufig zwischen 1 und 6 einzuordnen sein muss.

3 comments on “Das Prinzip der multiplen Intelligenzen

  1. Ich finde diese Einteilung sehr interessant. Wenn man jeder Kategorie etwa eine Skalierung von 1 bis 7 unterläge, könnte man sich recht gut einordnen. Ich denke, dass die meisten Menschen mehrere Formen von Intelligenz in unterschiedlicher Ausprägung aufweisen. Spannend wäre, ob sich etwa signifikante Verbindungen oder Ableitungen mit Blick auf die vier Temperamente (nach der „Vier-Temperamente-Lehre“) herstellen ließen oder es sonstige weiterführende Untersuchungen mit psychiologischem Bezug gibt.

    In jedem Fall war das ein (für mich) sehr lesenswerter Eintrag, liebe Linn.

    Liebe Sonntagabendgrüße an Dch!

    Gefällt mir

    • Sehr interessanter Gedankengang, die Vier-Temperamente-Lehre ist mir bis jetzt noch nicht bekannt, da muss ich gleich doch mal recherchieren!

      Liebe Montagsgrüße zurück!

      Gefällt mir

  2. Das finde ich immer ganz wichtig hervorzuheben, gerade wenn man während der Schulzeit bzw. des Studiums zu meinen, man wäre dumm, nur weil man schlechte Noten bekommt und so weiter!

    xx, rebecca
    rbcmrm.blogspot.de

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: