Montagmorgen, 9 Uhr, Beginn des Semesters an meiner neuen Uni. Im Klassenraum: Menschen aus allen Ecken dieser Welt, dabei ca. 80% Amerikaner. Wer jetzt denkt, dass das hier in einen Beitrag zu Ungunsten des aktuellen US-Präsidenten abgleitet, der liegt falsch. Über den habe ich mich ja schon hier geäußert und abseits meiner tiefen Verzweiflung und Schwankungen in meinem Vertrauen in die Menschheit, gibt es da ja auch einfach nichts nettes zu berichten. Zurück also zum Klassenraum: Da sitzen nun also ca. 30 junge Menschen, die sich noch nicht kennen und was ist da natürlich die erste pädagogische Maßnahme (die ich sinnvoll finde, bitte nicht falsch verstehen.)? Vorstellungsrunde! Wie heißt du, wo kommst du her und was studierst du so? Die Runde fing auf der Seite des Raumes an, die mir gegenüber lag und während ich also den ersten meiner zukünftigen Kommilitonen zuhörte, keimte ein Gefühl in meinem Magen auf, dass ich hier einer sehr seltenen Spezies angehören würde. Nicht, weil ich aus meiner wunderschönen Heimatstadt Hamburg komme oder Linn heiße, sondern weil ich Journalismus (und Unternehmenskommunikation) studiere. Und mich damit so gar nicht in Finance Majors oder welche mit Schwerpunkt auf Management und Controlling einreihe. Als ich dann an der Reihe bin, muss ich fast schon lachen, als ich mich vorstelle und meinen Studiengang erwähne. Denn auch wenn hier alle sehr freundlich und offen sind, kann man ihnen eine gewisse Neugier im Gesicht nicht absprechen.

Wenn man sich als junger Mensch vorstellt und erzählt, dass man Journalismus studiert, dann bilden sich sofort Wolken über den Köpfen, in denen ich tagesaktuelle Agentur-News für ein Blättchen umschreibe, von A nach B fahre, schlecht bezahlt werde und in meiner stets männerdominierten Branche langsam vor mich hinvegetiere. Unbezahlte Praktika inklusive, versteht sich. Klischee Numero Uno. Genauso beliebt ist aber auch die zweite Variante, die meistens dann assoziiert wird, wenn ich sage, dass ich auch noch blogge. Ah, ’ne Modejournalistin, die sich letzte Woche ihren Hintern auf der MBFW abfrieren musste und Volo durch Bloggo ersetzt. (Hiermit entschuldige ich mich ausdrücklich für das miese Wortspiel). Das kann schon mal einige Zeit in Anspruch nehmen, aufzuklären, dass ich mich weder in 1 noch 2 sehe und dass ich nicht aus Versehen Kurse wie Entrepreneurship oder Human Resources Management gewählt habe.

Fakt ist: Ich studiere Journalismus nicht, weil mir Worte wie blühende Blumen-Poesie aus den Händen ranken und ich bekomme auch keine Schweißausbrüche, wenn mir jemand mit Mathe oder Rechnungswesen ankommt. Im Gegenteil, im zweiten Semester war Kostenmanagement eines meiner liebsten Fächer – und auch eines meiner besten. Und auch wenn man sich beim ersten Blick auf den Blog denken könnte, dass ich mich später in der Politik-und Gesellschaftssparte einordnen will, dann ist das gar nicht mal so richtig.

Es hat mich schon immer gereizt, etwas zu begreifen, zu verstehen, zu erklären und abzubilden. Etwas zu verfolgen und einzuordnen. Und um das möglich machen zu können, braucht man ein exzellentes Hintergrundwissen. Und um dann auch Spaß an der Sache zu haben (aka make you passion your paycheck), sollte man sich ja bestenfalls mit den Thematiken beschäftigen, die einen interessieren. Dass das Leben weder Ponyhof noch Wunschkonzert ist, dessen bin ich mir bewusst und trotzdem ist es mein Ziel, einmal über die Themengebiete zu berichten, die ich spannend finde, sie verfolgen und erklären zu können. Und damit mir mein kleines Leben zu finanzieren.

Nun ist der ungeduldige Leser bereits genervt von einem solchen Überziehen des semi-spannenden Spannungsbogens und stellt die berechtigte Frage: Ja mein Kind, wat willste den nu? Wat is deen Ding? Die Antwort darauf ist wohl am schnellsten in meinem Bücherregal, meinen Notizen aus der Oberstufe und meinem Browsersuchverlauf gefunden: Ich habe Biologie nicht ohne Grund zu meinen besten Fächern in der Schule gezählt, denn Genetik und die Funktionsweise des Menschen faszinieren mich bis heute. Ich bin diese Sorte Mensch, die bei Diskussionen als unromantisch verschrien ist, weil früher oder später der Satz kommt, „Ja, das liegt an so und so Hormone, Pheromone, Transmitterstoffe im Gehirn, evolutionsbiologisch voll sinnvoll.“Auf der anderen Seite bin ich ein kleiner Technik-Nerd, der mal ein Interview zu Virtual Reality geführt hat und wenn ich nicht schon so ungeschickt im Einparken wäre und von dort aus auf meine Steuerfähigkeiten schließen würde, dann hätte ich schon längst eine Drohne. (Gut, der Aspekt mit dem nicht an Bäumen wachsendem Geld spielt evtl. ebenfalls eine Rolle.) Und ja, ich wäre verdammt gerne auf den mobile congress hier in Barcelona gegangen, aber der eben angesprochene Baum-Geld-Zusammenhang schlägt auch hier wieder dazwischen. Und um das persönliche Potpourri nochmal gesund durchzuwürzen und eine Einordnung in Schubladen schier unmöglich zu machen: Ich liebe coole Menschen, Start-Ups und Unternehmen, die einen anderen Weg gehen, als viele vor ihnen. Da gibt es von bis so viele spannende Ideen, Innovationen und kluge Köpfe, die ich zu gerne kennenlernen würde und mit denen ein Kaffeeschnack sicherlich großartig ist. Motivierende Geschichten, Frauen im Business, Menschen, die aus eigenem Antrieb etwas ganz neues, ganz eigenes geschaffen haben – allein über meine Begeisterung ließen sich Bände schreiben.

Und jetzt?  Jetzt passe ich endgültig weder in den oben erwähnten Prototypen 1 noch weise ich irgendwelche Ähnlichkeiten mit 2 auf. Und ich könnte nicht klarer und zufriedener mit meiner Abgrenzung sein. Denn ich glaube, nein, ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen dann am besten sind, wenn sie einer Passion nachgehen. Und auch, dass ich über genau diese meine Interessen einmal schreiben will.

Dass diese Interessen bisher noch kaum Platz auf dem Blog fanden und max. in meinen Büchervorschlägen durchschienen, ist der Tatsache geschuldet, dass ich mir teilweise einfach unsicher war, wie ich das, was mich interessiert, so verpacken könnte, dass es ebenfalls für mein bisherige Blogpublikum spannend sein könnte. Aber da das ehrlich gesagt eine ziemlich lasche Ausrede ist und ich eigentlich von so vielen Dingen überzeugt bin, dass sie wahnsinnig cool sind und euch interessieren könnten, werde ich mein bestes geben, das hier aufzuholen. Seid gespannt. 

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It’s monday morning, 9 o’clock and also the start of the semester at my abroad university. Inside the classroom: Young people from all over the world, but 80% from America. And nope, this won’t be another comment on the new President of the United States. I’ve already written something about him in this post and besides my loss of faith in humanity, there’s also nothing nice to say about him. So back to the classroom. Since there are 30 human beings not knowing each other, our teacher decided that we should introduce ourselves first. Whats your name, where do you come from and what do you study – basics. But when the first students started to introduce themselves, I slowly realized I’d be a rare species in here. I was the only one studying journalism, surrounded by students with mayors in finance, economics or controlling. And even though everyone’s kind and friendly, I could see that they were surprised. 

Telling someone that you study journalism, there are two cliches that might arise. The first one is the serious journalist, writing articles for the everyday-press, running from A to B, not earning much money and as a woman, it would be quite hard to survive in this men-dominated job. The second one often comes to mind, when I add that I also blog: It is the image of the fashion-journalist, freezing their butt of at MBFW and publishing their outfits online. And it takes time, to explain to people that I don’t want to fit in the first cliche neither in the second one – and that I’ve chosen courses like Entrepreneurship and Human Resources Management on purpose.  

It is fact that I didn’t start studying journalism because I am in love with poetry or bloomy explanations about the sense of life. And I am also not afraid of Economics and Finance – to be honest, Accounting for example was one of my favorite subjects and also one where I received pretty good grades.  And even though I discuss politics on my blog, it’s not necessarily something I want to write about later on. 

I’ve always been interested in understanding complex decisions and development and i also love to explain what I’ve understood (No, I don’t want to become a teacher). But to explain certain things, it is important to have a huge background knowledge. And to be honest, I think that you should deal with the stuff you like to ensure you don’t get frustrated day by day. I know that you’re not always able to pick the cherries but yes, my goal in life is, to research and explain the things I am personally interested in. 

Now it’s probably time to tell you guys what these kind of things are and you might be surprised. But during school, biology was one of my favorite and best subjects since I’ve been interested in genetics and the functioning of the human body for such a long time. But on the other hand, I am also kind of a technic-geek, who’d love to own a drone, who did an interview about virtual reality and whose quite sad that the tickets for the mobile congress here in Barcelona are pretty expensive. And to make the mosaic even more colorful, I also love to read/watch/see documentaries about people, start-ups and companies that go for different approaches to face things. As I’ve mentioned in my last book-bucketlist-post, I’m so interested in learning about people with visions, who create something on their own and especially women in business to motivate myself and also push myself to work hard for my dreams. 

So at the end, I actually don’t fit in if you look at the typical cliches I had to face, but I am quite proud to be different and to work in a different field. At the end, I believe, human beings are best when doing something with passion – and I want to write about everything on this planet that fascinates me day by day.

As you might have noticed, there hasn’t been space on the blog to write about the things I’ve just mentioned, but I’ll do my best to improve this and I hope (no, actually I am quite sure) that those posts will be interesting for you as well!

 

 

2 comments on “Mich fasziniert es, etwas zu verstehen.

  1. Richtig toller Beitrag, liebe Linn!
    ich fand es super interessant, etwas mehr über dich und deine Interessen zu erfahren – und das Ganze auch noch verpackt in einem wunderbaren Schreibstil!
    Du wirst ganz bestimmt deinen Weg finden, sei es in der Biologie, in der Technik oder vielleicht auch ganz woanders? 😉
    Das Schreiben liegt dir auf jeden Fall sehr und wer weiß, vielleicht lassen sich ja alle deine Interessen bald in einem Beruf vereinen? 🙂

    Allerliebste Grüße,
    Amelie | https://amelieruna.wordpress.com/

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