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Mir macht das Angst.

Ihr werdet heute vermutlich eine Menge Postings, Kommentare und Videos zu dem Wahlergebnis der USA sehen. Und vermutlich wird sich mein Beitrag ihnen in etwa anschließen, nichtsdestotrotz möchte ich gerne meine Meinung dazu äußern.  Es sei wie immer gesagt, dass dies meine politsche, persönliche Meinung ist, die ich bitte zu respektieren. 

Mir macht das Ergebnis Angst. Aber genau da muss ich differenzieren, denn es ist nicht die Person Donald Trump die mir Angst macht. Sicher, einen impulsiven Menschen eine Weltmacht zu unterstellen, ist von einem Ideal sehr weit entfernt, aber wie Experten schon sagten, hat sich auch ein Donald Trump einer Verfassung zu verpflichten und auch die Republikaner werden dort ein Wörtchen mitzureden haben. Nein, was mir Angst macht ist die Tatsache, dass Donald Trump nicht die Macht an sich gerissen hat. Sondern dass er demokratisch von dem amerikanischen Volk gewählt wurde. Dass die Werte, für die er steht scheinbar Anklang finden. Werte, zwischen denen sich sexistische und rassistische Kommentare offensichtlich gut unterbringen lassen. Dass das amerikanische Volk bei dieser Wahl sehr unglücklich war und sich mit keinem der beiden Spitzenkandidaten anfreunden konnte, das wurde glaube ich sehr deutlich. Nichtsdestotrotz, irritiert und verwirrt es mich zutiefst, dass so viele Menschen für jemanden stimmen, dem der Begriff des gesunden Menschen-Respekts fremd ist. Sind es diese Werte, die wir alle vertreten? Und mit wir alle, meine ich wir alle, denn diese Bewegung, die jetzt in dem US-Wahlkampf einen ihrer Gewinner gefunden hat, zieht sich genauso durch Deutschland und andere europäische Staaten. Nein, wir sind nicht besser und die Amerikaner nur zu blöd. Zumindest können wir nicht in einem Satz Trump verteufeln und im gleichen Atemzug einen teilweise so hohen Wahlerfolg der AfD tolerieren. Es werden Parteien gewählt, die Werte vertreten, die mit meinem Verständnis von Respekt und Nächstenliebe nichts mehr zu tun haben. Die vorgeben, dass Menschen sich untereinander abgrenzen und in eine Rangordnung stellen sollen. Die im Hinterkopf Begriffe wie Rasse schmerzhaft aufpochen lassen. Ich verstehe einen Ansatz nicht, bei dem wir besser daran tun, uns allein gegeneinander auszuspielen. Ich verstehe nicht, wie man dulden kann, dass Hass und Konkurrenz das sein soll, was politische Entscheidung motiviert und voran treibt. Dass wir uns nicht am Fortschritt orientieren und diesen versuchen, durch Zusammenarbeit schneller zu erreichen. Sondern, dass all unser Streben und Tun danach ausgerichtet ist, die Pole Position zu erreichen. Konkurrenten hinter uns zu lassen, Konkurrenten notfalls auch auszuschalten, zu verweisen, Mauern aufzustellen.

Ich bin keine Politikerin, ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass es eine einfache Lösung gäbe. Und auch eine nette Vorstellung von dem Friede-Freude-Eierkuchen-Zusammenleben wird nicht realistisch umsetzbar sein. Ja, ich kann auch verstehen, dass man sich eine neuen politischen Weg wünscht, weil der alte vielleicht einen nicht abzuholen scheint. Weil man frustriert ist, dass es in dieser Welt gefühlt jeden Tag einen neuen Niederschlag gibt. Aber ich bin mir ganz sicher, dass der Weg, auf den wir gerade zusteuern, nicht der richtige ist. Dass ein Überbordwerfen sämtlicher moralischer Werte nicht das ist, was wir anstreben sollten. Und dass ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden will und werde, dass ein Mensch aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion oder seines Geschlechts etwas besseres zu sein scheint.

7 comments on “Mir macht das Angst.

  1. Du hast mit deinem Post so recht. Ich kann es auch kaum glauben und in mir spüre ich auch eine Art Furcht, ich kann das gar nicht so ganz beschreiben ..
    Ich danke dir für diesen gut geschriebenen Text !

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  2. Linn, wenn Do so schreibst, ich meine, über solche komplexen Fragen und Zusammenhänge, wie sie Dein Eintrag hier behandelt, und das in dieser Kürze und dabei in einer so gut nachvollziehbaren Deutlichkeit, zugleich aber immer auch differenzierend bleibend, dann lese ich Dich am liebsten, ja, dann lese ich Dich richtig gerne!

    Diese Art Einträge sind richtig Spitze!!

    Das ist mir wichtig, Dir immer mal wieder zu sagen (bzw. zu schreiben 😉 )

    „Nebenbei“, stimme ich mir Dir inhaltlich sehr grundsätzlich überein.

    „Fortschritt“ ist für mich allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr einfeutig definiert. Es gibt nach meinem Empfinden mittlerweile so viele unterschiedliche Verständnisse davon, dass es mir immer wichtig erscheint, erst einnmal zu klären, was denn als fortschrittlich angesehen wird bzw. anzusehen ist. – Die Meinungen gehen da sehr schnell auseinander. Für mein Empfinden längst zu weit. Viele Fortschrittsverständnisse sind schon lange nicht mehr fortschrittlich … Und damit beginnt ein großes Dilemma als solches …

    Zweifellos wäre das mal ein Thema für sich.

    Liebe sternflüsternde Grüße nach Hamburg, an Dich!

    Gefällt mir

    • Ich danke dir! Tatsächlich sind das auch die Beiträge, die mir am meisten am Herzen liegen und es freut mich unheimlich, wenn sie so kluge Worte nach sich ziehen! Das Thema Fortschritt ist wirklich kein einfaches und kann meiner Meinung wirklich schlecht eingegrenzt werden, aber den Gedankengang den du anschneidest, wäre absolut mal eine spannende Thematik für einen Post!#

      Alles Liebe,
      Linn

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