Um das Textverständnis zu vereinfachen wird in diesem Artikel öfter von „Generation Y“ verallgemeinernd gesprochen. Ich bin mir bewusst, dass dies eine sehr lapidare Formulierung ist und ganz klar dafür, dass Individuen einzeln betrachtet werden. 

Ich las neulich einen übersetzen Artikel in der Welt, der sich mit der Unzufriedenheit der Generation Y, also auch mir auseinander setzt. Am Ende des Artikels gab es dann drei sachdienliche Hinweise, wie man denn dieser Trauer (?) ein Ende setzen könne. 1. Bleib ehrgeizig und tauch einfach irgendwo ein, wenn die Richtung noch unklar ist. 2. Hör auf zu denken, du seist was besonderes, du kannst dann etwas besonderes werden, wenn du lange hart arbeitest. und 3. Ignorier‘ die anderen und zieh einfach dein Ding durch. Die anderen sind genauso unentschlossen, frustriert und zweifelnd wie du.

Um mit dem Zustimmendem anzufangen, ich denke auch, man sollte sein Ding durchziehen und sich nicht von dem ach so viel grüneren Gras auf der anderen Seite beeinflussen lassen. Und ich finde es auch gut, dass man sich ein Ziel setzt und ehrgeizig daraufhin arbeitet.

Allerdings endet dann auch schon meine Identifikation mit der Persona Generation Y in diesem Text. Ich bin nicht unentschlossen und frustriert bin ich auch nicht. Eher verwirrt, weil mir in einem Absatz unterstellt wird, ich sei tendenziell größenwahnsinnig und hätte ein Ego von hier bis nach Neukölln und im nächsten zweifel ich all meine Entscheidungen und Wege an und fühle mich durch alles und jeden unter Druck gesetzt. Um das einmal klarzustellen: Natürlich zweifele ich an mir selbst und bin mir manchmal nicht ganz sicher, ob das was ich hier mache, wirklich richtig ist. Aber ich bin nicht auf einem dauerdeprimierten Selbstfindungstrip, der meiner Generation ja so häufig unterstellt wird. Allgemein hab ich ja aber ein klitzekleines Problem mit Verallgemeinerungen, denn nach Schema F funktioniert Gott sei Dank so wenig.

Ich bin auch kein Fan der verhätschelten „Du bist ein ganz seltenes Exemplar und die Kirsche auf Omas Sahnetorte“-Mentalität. Aber einem jungen Menschen, den man erst 18 Jahre über jede Pfütze getragen hat und dann von einem Tag auf den anderen im weiten Ozean schwimmen sehen will, von so einem jungen Menschen zu erwarten, er möge sich doch bitte der Allgemeinheit unterwerfen und ihm die Uniform des „Durchschnitts“ aufzuzwingen, das halte ich für falsch. Hart zu arbeiten ist eine Einstellung, die ich richtig und lobenswert finde, aber genauso wichtig ist es, meiner Meinung nach, auf seinen Erfolg stolz zu sein. Seine Schwächen aber auch seine Stärken zu identifizieren und dann zu sagen „Hey, ich kann das und würde deswegen dein Team gut ergänzen“. Denn ich würde behaupten, dass zwischen der unterstellten Arroganz und Selbstverliebtheit meiner Generation und einem gesunden Selbstbewusstsein ein Unterschied liegt. Wer sich seiner selbst bewusst ist (und so sagt es nunmal dieses Wort), der wird sich mit sich selbst sehr gut auseinander gesetzt haben – und einordnen können, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Bevor man also jemanden als arrogant bezeichnet, weil er auf die Frage nach seinen Stärken eine Antwort hat, muss ihn auch nach seinen Schwächen fragen – erst dann sollte man (wenn überhaupt) ein Urteil fällen.“

Denn, sicher, in meiner Generation zeichnen sich deutlich ein paar Defizite ab.  Viele (nicht alle) von uns, möchten gerne ihren Traum verwirklichen (was nach der maslowschen Bedürfnispyramide nur logisch, wenn auch gleichzeitig irritierend ist) und gehen Dinge sehr naiv an (Pfützen-tragen-Mentalität ahoi). Und auch das permanente Dienstleistungsspektrum führt dazu, dass wir Dinge gerne den Menschen in die Hand geben, die es können (oder auch mal Mama und Papa) und dafür selbst sehr wenig Ahnung davon haben. Aber wer behauptet, dass wir einfach immens hohe Erwartungen hätten, die unrealistisch bis zum Mond seien, der hat vermutlich noch nicht mit den Studenten gesprochen, die wegen eines Formfehlers ihr Studium nicht antreten dürfen, weil der Markt so überlaufen ist. Nein, wir sehen unsere Karriere nicht als glitzerndes Einhorn, weil wir nämlich 1. solche Formulierungen ziemlich absurd finden und 2.ganz genau wissen, dass so eine Klausur in der Uni kein Zuckerschlecken ist.

Natürlich weiß ich nicht wie die Zukunft aussieht, ob sie so wird, wie ich mir das vorstelle und wie oft ich auf den harten Boden der Tatsachen fallen werde. Ich weiß aber eines: Dass ich Gott sei Dank nicht frustriert, negativ eingestellt und vor allem unglücklich bin. 

 

 

 

 

3 comments on “Generation Arrogant?

  1. Ich finde der letzte Satz von dir „Dank nicht frustriert, negativ eingestellt und vor allem unglücklich bin. “ ist doch das wichtigste. Dann ist es doch vollkommen gleichgültig, ob man Generation X, Y oder Z ist 😉

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