Wenn man in Hamburg wohnt, Journalist/irgendwas mit Medien-Macher/ oder in meinem Fall Nachwuchsjournalist ist, dann kam man eigentlich nicht umhin, letztes Wochenende die Netzwerk Recherche Jahreskonferenz zu besuchen. Dort fand, wie die letzten Jahre auch, auf dem Gelände des NDR ein buntes Programm unter dem diesjährigen Motto „An der Grenze“ statt. Dass mit diesem Thema nicht nur die Flüchtlingskrise und die Frage nach der diesbezüglich korrekten Berichterstattung im Fokus stand, sondern auch ein Zukunftsausblick für Medien, die teilweise heute schon an ihre finanziellen Grenzen gehen, das war relativ schnell klar. Auf Snapchat (linnmaira) und Twitter (gleiches Spiel: @linnmaira) habe ich bereits ein wenig berichtet, Eindrücke mitgenommen und geteilt. Nichtsdestotrotz folgen heute in einem längeren Post meine Highlights und Erkenntnisse.

ZU gerne würde ich hier noch viel mehr als die folgenden Highlights auflisten, aber wer bereits auf der NRKonferenz war, der weiß, dass die Entscheidung zwischen den einzelnen Veranstaltungen oft wahnsinnig schwer fällt. Da über 200 Referenten in 107 Panels an zwei Tagen auf der Bühne standen respektive saßen, war es unmöglich, alle favorisierten Veranstaltungen zu besuchen.

Am ersten Tag saß ich unter anderem in einer Diskussion über die junge Freiheit mit dem Chefredakteur Dieter Stein  im Publikum. Wer die junge Freiheit nicht kennt: Sie ist eine (sehr) konservative Wochenzeitung, der ein Drift in die Rechtsextreme nachgesagt wird. Unabhängig meiner sehr klaren Meinung Rechtsextremismus gegenüber, war ich doch neugierig auf die Diskussion, an der u.a Liane Bednarz und Marcus Bensmann teilnahmen. Ein, zwei Mal wurde es seitens des Publikums laut, aber im Großen und Ganzen wurde mit das Thema sachlich diskutiert.

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Ein weiteren Gast, auf den ich mich persönlich gefreut hatte, war Olaf Scholz. Im Gespräch mit Julia Stein äußerte sich der amtierende Hamburger Bürgermeister dazu, welche Rolle Medien seiner Meinung nach hätten und weshalb er bspw. nur Interviews geben würde, die  live und ungekürzt seien. Was einstündige Panel war geistreich und sorgte für den ein oder anderen Lacher im Saal. Zum Beispiel als Julia Stein Olaf Scholz fragte warum denn in den Medien so wenig über ihn  bekannt sei. Seine Antwort: Sie wissen, dass ich verheiratet bin und dass das sehr schön ist, das ist doch schon mal was. Besonders im Gedächtnis blieb mir ein Satz der sich auf die  weit verbreitete Unglaubwürdigkeit bezog. „Wir werden nicht mit jedem in einen sachlichen Dialog kommen können, aber wir sollten es immer probieren.“

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Der Auftakt am zweiten Tag beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage „Wieso haben die Menschen das Vertrauen in die Medien verloren – und wie kann man es zurück gewinnen?“ Dass der Journalist kein Volkserzieher sei und möglichst neutral Bericht erstatten sollte, dessen waren sich die Chefredakteure schnell einig. Aber auch kritische Kommentare seien in diesen Zeiten wichtig, sie müssten nur auch als solche gekennzeichnet werden.

Besonders gut gefiel mir ebenfalls ein Start-up, das ich bis dato noch nicht kannte. Pauline Tillmann gründete deine-korrespondentin.de, ein Online-Magazin, das wöchentlich eine Reportage aus den unterschiedlichsten Ländern veröffentlicht. Der besondere Punkt ist, dass bei diesen Reportagen, die auch ausschließlich von Korrespondentinnen geschrieben werden, Frauen im Vordergrund stehen. Frauen aus Ländern wie Afghanistan, Argentinien oder Myanmar. Die Gründerin, die selbst lange als Korrespondentin vorher tätig war, berichtete über ihre Meilensteine, ihre Erkenntnisse und auch über die Fehler, die sie gemacht hat. Unheimlich sympathisch und mit vielen Tipps für angehende Medien-Entrepreneurs war dieses Panel definitiv eines meiner Favoriten.

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Was Pauline Tillmann feststellte, nämlich dass die Finanzierung von Medienprojekten die leichteste aller Aufgaben ist, das wurde auch in dem letzten Panel, das ich besuchte, besprochen. Neben Nora-Vanessa Wohlert, der Gründerin von Edition F, diskutierten Marcus von Jordan (piqd), Florian Skatart (dossier.at) und Maren Urner (Perspektive Daily) über künftige Finanzierungsstrategien. Denn dass ein Journalist nicht von Tinte und Liebe leben kann, das steht außer Frage. Spannend auch die Diskussionen mit dem Publikum  zum Thema Native Ads (Advertising) und Mitgliederbeiträge.

Auch wenn ich mir noch unheimlich gerne z.B. die Preisverleihung an Can Dündar (wegen Überfüllung war der Raum leider bereits abgeriegelt) und die vielen  Vorträge zur Massive Data Recherche angesehen hätte, habe ich einiges auch für mich selbst mitgenommen.Nach zwei informativen Tagen mit jeder Menge tollen Gesprächen, kontroversen Diskussionen bleibt der Wunsch, wirklich guten Journalismus zu erlernen und zu betreiben. Und euch natürlich weiterhin zumindest über den Blog und die anderen Kanäle immer wieder mitzunehmen.

Alles Liebe und einen fantastischen Start in die Woche,

Linn

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1 comment on “Event: Netzwerkrecherche ’16

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