Personal & Opinion Personal & Writings

Warum gerade Blogger mehr kritisieren sollten.

Dieser Text spiegelt meine persönliche Sichtweise wider – er trifft (glücklicherweise) nicht auf alle Blogs und zu beschreibt einen Zustand, der mir in den letzten Monaten auffiel.

Schaut man sich die Blogosphäre an, dann scheint das Leben unheimlich leicht zu sein. Der Blogger jettet von A nach B, lächelt hier in die Kamera, kooperiert da mit dieser und dort mit jener Firma. Der Leser bekommt eine Auswahl an Bildern, lässt sich inspirieren und klickt sich fröhlich durch das WWW respektive das Instagram-Profil des Bloggers.

Oh du heile Like-Welt

Kritik, Anecken? Fehlanzeige im deutschen Blogger-Universum. Die einzige kontroverse Aussage, die sich länger als ein paar Tage hält, ist das gegenseitige Bashing und die Ungerechtigkeiten in Punkto Blogger Relations. Ich las einmal „Mein Blog ist kein Politik-Blog, daher wird dieses Themenfeld hier nicht weiter diskutiert werden“. Es war die Antwort auf eine insgesamt positive Resonanz einem kritischen Beitrag gegenüber, die aber klickzahlentechnisch deutlich unter dem sonst üblichen Wert zurückblieb. Ich las danach keinen aneckenden Post zu irgendeinem Thema mehr auf diesem Blog. Ein weiteres Mal stolperte ich über ein Instagrambild mit der Unterschrift (nicht wörtlich): „Ich kann hier eine Debatte anzetteln, kann kontrovers diskutieren – und das Bild wird nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommen wie ein hübsches, halbnacktes Selfie. “

Diese Aussage erlebe ich ebenfalls – und sie macht mich gleichzeitig fassungslos. Ja, politischer, gesellschaftskritischer und andersdenkender Content ist schwerer verdaulich. Ja, damit kann und wird man anecken. Ja, das lässt sich nicht so gut als Bild inszenieren wie die neue Handtasche eines Designerlabels.

Niemand sieht gerne tote Flüchtlingskinder am Strand liegen. 

Missstände machen einfach keinen Spaß. Niemand liest gerne, dass die Flüchtlingskrise ein Thema ist, mit dem wir uns alle auseinander setzen sollten – weil das ja evtl. ein schlechtes Gewissen hervorrufen könnte. Weil das ja hieße, dass wir unseren Hintern von der Couch hochbekommen und uns mit einem Thema auseinander setzen müssten. Oder Stichwort Gender Pay Gap: Wusstet ihr, dass in den kreativen Berufen mit der größte Gehaltsunterschied zwischen Männlein und Weiblein besteht? Warum diskutieren wir selbstbewusste junge Frauen das nicht, wenn wir doch täglich tausende von Menschen erreichen? Warum setzen wir uns nicht für das ein, was uns tatsächlich betrifft? Und wo wir mit unserer Stimme einen Denkanstoß setzen könnten?

Ich glaube nicht, dass jeder Modeblogger dieser Welt nur an Mode interessiert ist. Ich bin fest überzeugt davon, dass dort junge kreative und hoffentlich auch kritische Köpfe hinterstehen, die wählen gehen, die sich mit Problemen auseinander setzen, anstatt sie einfach auszublenden. Ich würde mir einfach wünschen, dass diesem Hinterfragen Platz gegeben wird. Das bedeutet natürlich ein Umdenken auf beiden Seiten. Unternehmen, die mit Bloggern kooperieren, springen im schlimmsten Fall ab, weil sie die Meinung des Bloggers auf einem heiklen Gebiet nicht teilen. Und ich weiß, dass ich hier leicht reden habe, weil mir mein Blog nicht meinen Lebensunterhalt finanziert. Wer jetzt anmerkt, dass ein Modeblag vermutlich eine klare Ausrichtung hat, die nicht Politik ist, dem sei zugestimmt. Aber es finden sich auch in der Modebranche zahlreiche Beispiele, die kritikwürdig wären (Produktionsbedingungen, Konsumverhalten, CSR eines Unternehmens etc.) Abgesehen davon schaut doch wohl ein jeder von uns mal über seinen Tellerrand hinaus, oder?

Stimme nutzen statt Marionette spielen

Ist es nicht irgendwie traurig, dass wir unsere eigene freie Meinung zu einem Thema scheinbar nicht äußern können, aus Angst, Leser und Werbepartner würden sich empören? Dann haben Blogs nämlich meiner Meinung nach wenig mit ihrer Ursprungsidee zu tun. Sprach man noch vor 7,8 Jahren über neue kritische Stimmen am Meinungsbild schaffendem Himmel,  sind der große Teil aller Blogs heute sauber konzipierte Werbeflächen, die nahezu jedes Unternehmen ansprechen.

Damals war die Reichweite um ein vielfaches geringer, heute übertreffen Blogs die Online-Portale größerer Medienhäuser. Da scheint es fast absurd, dass mit dem Ansteigen der Reichweite die eigene Meinung immer weiter zurückgehalten wird. Mein Appell daher: Stimme nutzen und Kritik wagen. Denn auch wenn damit potentiell jemand verärgert wird,  mit der eigenen (lauten, weitreichenden) Stimme etwas zu bewegen, sollte diesen Ärger definitiv überwiegen.

 

4 comments on “Warum gerade Blogger mehr kritisieren sollten.

  1. Da gebe ich dir vollkommen recht ! schöner Beitrag !

    LG Jessi / http://www.aboutjessi.de

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  2. Pingback: So bloggen wir! Was die Bloggerwelt denkt - in 61 O-Tönen

  3. Pingback: 2016 auf LINNMAIRA – LINNMAIRA

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