Personal & Opinion Politics & Opinions

Wir sind in der Verantwortung, uns damit auseinanderzusetzen.

Ich möchte mich gerne auch noch zu den Geschehnissen äußern, die in der letzten Zeit sicherlich viele Menschen in Deutschland bewegt haben, die Wahlergebnisse mit den starken Zahlen der AfD. Der Grund, dass ich mich nicht direkt aus meinem Urlaub dazu geäußert habe ist der, dass ich diesen Text wohl formulieren , auch mit weiteren Menschen noch über diese Ergebnisse sprechen wollte. Dieser Text ist meine persönliche, politische Meinung, ihr dürft sie teilen aber auch natürlich gegen sie sein – wir leben ja in einer Demokratie.

Genau, eine Demokratie, das Volk wählt also selbstverantwortlich seine politischen Vertreter auf verschieden Rängen und Ebenen unseres Systems. In letzter Zeit ist dabei in Deutschland eine Strömung, eine Richtung zu erkennen, die mir ziemliche Sorgen bereitet.Weil ich ein mulmiges Gefühl im Magen habe, wenn ich über die AfD-Witze und Memes auf Facebook lache und zustimmend „like“ drücke, als sei damit alles gesagt. Ich mache mir Sorgen. Nicht, weil ich glaube, dass alle Deutschen Nationalsozialisten sind (von Verallgemeinerungen halte ich zugegebenermaßen wirklich nicht viel), aber weil ich der festen Überzeugung bin, dass eine Trotzreaktion keine sinnvolle Lösung ist. 75% aller AfD Wähler haben für diese Partei gestimmt, um den alteingesessenen Parteien einmal zu zeigen, wo der Hammer hängt. Bäm. Das Volk hat die Macht. Ja, das Volk hat in einer Demokratie sinngemäß wirklich eine Macht – nur lassen die Wahlergebnisse ein wenig daran zweifeln, dass einige von uns verantwortungsbewusst damit umgehen können. Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass in einer Demokratie ein Spektrum erlaubt ist, indem sich die einzelnen Ausrichtungen frappierend unterscheiden. Aber eine Partei aus Trotz wählen? Das ist in etwa so, als würde man eine Grube graben und um zu beweisen, dass man diese Grube als Falle nutzen kann, springt man einfach einmal selbst herein.

Nur was passiert, wenn man dann in der Grube sitzt, ganz unten und sich wirklich und wörtlich denkt: „Scheiße, wie komme ich da denn wieder heraus?“. Was mich verwundert ist, dass in einer derartigen Lage, die wirklich als schwierig für uns alle beschrieben werden darf, immer noch dem lautesten Schreihals hinterhergedackelt wird. Einem Schreihals, der meiner Meinung nach kein Konzept aber ein verdammt vergiftendes Auftreten mit sich bringt. Nein, nur um die aufkommende Frage zu beantworten, die derzeit regierenden politischen Parteien sind keine Heiligen und sie haben sicherlich auch Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen – was nun einmal passieren kann, wenn man sich mit einer kritischen Lage auseinandersetzt. Und darum sollte es hierbei nämlich gehen – und das wird meiner Meinung nach zu oft vergessen: Wir müssen uns mit der Situation auseinander setzen, wir müssen schimpfen, diskutieren, unterschiedlicher Meinung sein. Wir müssen analysieren,konsolidieren, abwägen und sicherlich auch fehlschlagen. Aber wir dürfen nicht einer einzelnen Idee, die laut und giftig durch Deutschland zieht den Rücken stärken, nur weil es so viel einfacher ist, als zu akzeptieren, dass wir jetzt alle in der Verantwortung sind. Eine Verantwortung, die schwer ist, die eine Aufgabe darstellt und keine kleine. Aber Verantwortung kann nicht dadurch erlöst werden, dass wir sie jemand anderen zuschustern und uns hinter seinen Pöbeleien verstecken, frei nach dem Motto „Der sagt radikale, böse Dinge, der scheint sich durchsetzen zu können“. Dass mangelndes Konzept oft hinter einer Mauer aus „alternativen Veränderungen“ steht, das dürfen wir nicht vergessen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier die Verantwortung für mehrere Generationen tragen, viel zu schnell wird ein Trend eine Kultur. Und dass „ich wisch dir ein’s aus“ ganz schnell zur eigenen Grube wird. Eine Grube, die schlussendlich weitaus größere Konsequenzen hat.

think about it.

 

3 comments on “Wir sind in der Verantwortung, uns damit auseinanderzusetzen.

  1. Sehr schön geschrieben, sehr durchdacht und kein bisschen „agitierend“. Junge Leute die so oder ähnlich denken, geben mir Hoffnung, geben mir Zuversicht, machen mich froh. Lassen mich vertrauen, dass mein Sohn (14 1/2) nicht allein stehen wird, in einer vielleicht noch komplizierter und komplexer seienden Welt, als es die unsere heute schon ist.

    Das für mich Wunderbarste Deines Textes ist die darin geronnene Erkenntnis, dass Du keine schnellen, keine „einfachen“ Antworten auf die so schwierigen und komplexen Fragen unserer Zeit und des gesellschaftlichen Lebens überhaupt erwartest. Bei recht vielen jungen Menschen vor allem, so nehme ich es wahr, ist das anders. – Ich spüre, dass Du verändern, mit gestalten möchtest, dass Du aber darauf vorbereitet bist, dass es dafür Geduld, Kraft, Stehvermögen braucht. – Du wirst Dir nie anmaßen, die „Wahrheit“ zu kennen oder zu haben.

    Linn, ich wünsche Dir alle Kraft, alles Stehvermögen und dass Du es schaffst, nie damit aufzuhören ebenso geduldig wie beharrlich zu sein. Ich wüpnsche Dir Menschen an deiner Seite, die ähnlich denken, ähnlich verstehen, ähnlich zu hinterfragen bereit sind, wie Du. – Damit Du Dich nicht verschleißt, damit Du Dich nie auf verlorenem Posten fühlst, damit Du gesund bleibst.

    Viele liebe, aufrichtig freundschaftliche Grüße an Dich!

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    • Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Er spricht mir wahnsinnig viel Mut zu und bedeutet mir viel – ich hoffe sehr, dass wir alle gemeinsam das hinbekommen und wenn auch über längere Zeit Lösungen für all die Probleme finden können!
      Ganz aufrichtige und herzliche Grüße zurück!

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  2. Pingback: 2016 auf LINNMAIRA – LINNMAIRA

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