Ich habe in meinem Abibuch den Titel „Emanze“ verpasst bekommen – ein Titel über den ich natürlich geschmunzelt habe. Ich hab keinerlei Probleme damit, wenn mich jemand mal zum Essen einlädt, mir die  Tür aufhält oder mir meine schwere Reisetasche abnimmt.

Ich habe allerdings ein gewaltiges Problem damit, wenn Frauen Angst haben müssen, dass sie auf offener Straße sexuell belästigt werden.

Ich habe auch ein Problem damit, wenn eine Dame vorschlägt, dass Frauen sich Fremden jetzt auf eine Armlänge nicht nähern sollte.

Info: In der Silvesternacht sind mehrere Frauen (wenn ich über mehrere rede, dann über mind. 90) von jungen Männern belästigt, angefasst und bestohlen worden. Die Täter fassten die Frauen in den Schritt und an die Brüste. Mittlerweile sind etwa 90 Anzeigen eingegangen, die Chancen auf Ermittlung der Täter sind allerdings gering. 

Es gibt eine Menge Dinge, die so nicht in Ordnung sind: Stehlen, Betrügen, Verprügeln – die gesamte Palette. Sich einem Menschen aber so zu nähern, dass es diesem unangenehm wird und er sich aufgrund eines genetisch bedingten, körperlichen Nachteils nicht wehren kann, das steht auf einer anderen Stufe.

Eine sexuelle Belästigung verändert einen Menschen, es macht ihn schutz- und machtlos – und vor allem gibt es ihm das Gefühl nicht Herr über seinen eigenen Körper zu sein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir unsere Kinder so erziehen, dass sie die größtmögliche Gestaltungsfreiheit haben. Du darfst dir die Haare grün-pink-lila-gesprenkelt färben, du darfst deinem Smartphone die Hülle anziehen, die du schön findest, du darfst dein Auto so gestalten, wie es dir gefällt. Individualität rules, yeah. Nur wie soll ein Mensch ein Individuum sein, wenn ihm das genommen wird, was ihm augenscheinlich am ehesten gehört. Seinen eigenen Körper und das Recht über diesen zu bestimmen. „Nein“ sagen zu dürfen, wenn jemand eine Grenze überschreitet, sich eine Berührung nicht gut anfühlt oder man sich unsicher ist. Wie soll ein Mensch Entscheidungen für sich treffen können, wenn man ihm so eine grundlegende Entscheidung wie die bezüglich seiner sexuellen Handlungen entreißt. Sie ihm gewaltsam nimmt, auf ihr herumtrampelt und danach sagt „Ich glaube Frauen sollten Abstand halten“.

Nichts, wirklich gar nichts sollten Frauen tun müssen, außer zu entscheiden, wann sie wem nahe sein möchten. Da gibt es kein richtig oder falsch, es gibt da nur die eigene Entscheidung und die gilt es respektiert zu werden. Wo kommen wir hin, wenn wir unsere Töchter irgendwann wie Rapunzel einsperren, voller Sorge, jemand könnte ihn wehtun. Sind wir nicht eine Generation in der man das Problem bei der Wurzel packen sollte, diesen Tätern gehörig eine Strafe auferlegen sollte, ihnen einmal verklickern sollte, dass sie nicht das Recht haben, einem Menschen seinen Körper wegzunehmen?

Bezüglich der Diskussion ob die Männer nun einer bestimmten Bevölkerungsgruppe angehörten oder nicht, sei gesagt: Es ist mir völlig schnuppe. Es ist mir auch schnuppe, ob man eine sexuelle Belästigung oder gar eine Vergewaltigung kulturell rechtfertigt. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass kein Mann auf dieser Welt möchte, dass seine Tochter nachhause kommt, übersät mit blauen Flecken, die letzten Tränen im Augenwinkel hängend. Und sich dann in ihrem Zimmer einschließt, weil ihr die Gesellschaft nur zum Vorwurf machen würde, dass sie keine Armlänge Abstand gehalten hat. Dass sie sich missbraucht und wertlos fühlt und sich selbst Vorwürfe macht. Vorwürfe, dafür, dass ein anderer gewaltsam in ihren Tanzbereich eingedrungen ist. Jahrelange Depression und Schuldzuweisungen sich selbst gegenüber sind nur zwei mögliche psychische Folgen einer sexuellen Nötigung. Und ich bin mir sicher, dass kein Vater auf der Welt und auch die, die erst in einigen Jahren Vater werden, dies für ihre Kinder wollen.

Denn das will niemand für sein Kind.

6 comments on “Das hier ist mein Tanzbereich.

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  2. Hey liebe Linn,
    bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und wirklich total begeistert – kein normaler „Fashion, Beauty, Lifestyle-Blog“, sondern eine Seite, mit einer Message dahinter.
    Ich finde deine Essays und deinen Mut super, mach‘ weiter so!

    Liebste Grüße,
    Amelie | https://www.youtube.com/watch?v=fqqQC6Q4B2Y

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    • Oh ich danke dir sehr, liebe Amelie! Freut mich, dass ich genau das rüberbringen kann, was mir am Herzen liegt und dass dir mein Blog gefällt!
      Hab eine fantastische Woche & alles Liebe!

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