Personal & Opinion

Denn Scherze sind nur so lange lustig, wie alle darüber lachen können.

„Im Internet ist es wie an Ostern, auf einmal haben alle Eier“ – Dieser Spruch blieb bei mir hängen, als ich heute morgen durch meinen Instagramfeed scrollte. „Auf einmal haben alle Eier“ – ein bisschen anspruchsvoller ausgedrückt: Auf einmal sind alle mutig, lassen ihrer Meinung freien Lauf.

Was nach einer positiven Nachricht klingt, das hat für mich einen viel bitteren Beigeschmack, als vielleicht auf den ersten Blick mitklingen mag. Im Internet bin ich nicht ermittelbar, kann man mir für meinen Kommentar nicht direkt eine reinhauen.

Sicherlich, über 100 lange Strecken ist eine IP-Adresse ermittelbar und dann wartet auch ein Strafverfahren auf mich. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit meinen Worten einer Person wehgetan habe. Oder, noch viel schlimmer, andere Menschen animiert habe eine Hetzjagd zu starten.

Denn das ist für vieles ein großer Vorteil am Internet: Alles geht unheimlich schnell. Ergebnisse, gleich ob Spiel ob Wahl, Bilder und Informationen verbreiten sich in Windeseile. Und natürlich sind sie dort auch nach vielen Jahren noch wiederzufinden. Doch die Medaille hat eine Kehrseite. So kann ein falsches Gerücht, verbreitet an der richtigen Stelle, schneller vital gehen als Youtuber ihre Telefone herausbringen.

Und dann ist es da im Netz wie ein hässlicher schwarzer Fleck, wird von jedem retweeted und commented und kann beliebig oft wieder aufgerufen werden. Und dann ist ein ehemals lustiger Scherz oder eine kleine Lästerei für manche Menschen ein Grund sich etwas anzutun. Das ist leider nicht übertrieben und soll auch nicht meinen Appell unterstützen, das ist die Wahrheit.

2012 bringt sich die damals 15-Jährige Amanda Todd aus Kanada um. Begeht Selbstmord, nachdem sie nach zwei Jahren Internetmobbing psychisch am Ende ist. Studien zufolge wurde jeder 6. Jugendliche in Deutschland schon gemobbt – und die Tendenz geht leider nicht nach unten.

Es geht aber auch so verdammt schnell: Da schickt man ein Foto, was einen halt nunmal unbekleidet zeigt an seinen Freund oder seine Freundin und denkt nicht darüber nach, was irgendwann einmal mit diesem Bild passieren könnte. (Ich möchte an dieser Stelle übrigens jedem, aber besonders jungen Mädchen davon abraten – lasst es einfach, eure Beziehung wird auch ohne diese Bilder glücklich funktionieren). Und dann trennt man sich vielleicht doch einmal und eine unbedachter Moment, in dem man vielleicht verletzt ist, führt dazu, dass das Foto die Runde macht. Ja, es lässt sich vielleicht von einigen Websites sperren. Ja, man kann gegen den Verbreiter strafrechtlich vorgehen. Aber NEIN, es lässt sich niemals ganz löschen.

Ich möchte hier nicht den Moralapostel spielen, denn es heißt, wer ohne Schuld sei, der werfe den ersten Stein. Und ich glaube, das bin ich nicht. Aber ich möchte an euch appellieren:

Man sollte im Internet nur so weit gehen, wie man selbst zugefügt bekommen möchte. Und hier muss man ehrlich sein – und nicht behaupten „man selbst fände das alles nicht so schlimm, es sei ja alles nur ein Scherz“ . Denn Scherze sind immer nur so lange lustig, wie alle darüber lachen können. Und denkt an die Konsequenzen. Ja verdammt nochmal, fangt an im Internet zu denken, bevor ihr den Mund soweit aufreißt und all eure negativen Gedanken in die große, weite Welt hinausposaunt.

Das Internet ist eine Chance, aber auch in ihr müssen ein moralischer Kodex, ein paar Spielregeln gelten – und ich bitte euch alle, euch daran zu halten.

5 comments on “Denn Scherze sind nur so lange lustig, wie alle darüber lachen können.

  1. Toller Text. Und Du bist überhaupt kein „Moralapostel“ – Dass gerade junge Leute, wie Du, so etwas, wie Du hier geschrieben hast, leben und an andere junge Leute weitergeben, ist unschätzbar wichtig!

    Meinen Respekt dafür!

    Viele freundliche Grüße an Dich!

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  2. Du hast wirklich recht, mit dem was du da schreibst! Ich finde das Internet und die Blogs, die ich lese und den, den ich betreibe großartig, toll dass es diese Möglichkeiten gibt, aber es birgt auch Gefahren. Man ist anonym und so traut man sich einiges…
    Liebe Grüße
    http://www.champagne-attitude.com

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    • Liebe Jule, danke für deinen Kommentar! Da gebe ich dir absolut Recht, ich würde auch nicht ohne das Internet leben wollen – trotzgleich der Gefahren.

      Liebe Grüße zurück!

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  3. Pingback: 2015 auf linnmaira |

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