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Was sie dir vor der Schulzeit nicht erzählen

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Ich durchforste gerade unsere Familien-Bilderalben nach einem Foto von mir mit Schultüte für unser Abibuch. Meine Schulzeit ist nun fast vorbei, demnächst stehen die Abitur-Klausuren ins Haus.

Und ich blicke zurück, zurück auf Schuljahre, die den größten Teil meines Lebens ausmachen. Aus diesem Grund, auf der Basis meiner Erfahrungen und der meiner Freunde möchte ich euch heute einmal erzählen, was mir bestimmt niemand vor meiner Schulzeit gesagt hat und was ich lernen musste.:

#1 Dein Ruf ist alles, PART 1

Du kannst dir noch so verdammt viel Mühe geben, aber wenn du deinen Eindruck bei einem Lehrer „verhauen“ hast, dann wirst du wahrscheinlich keine gute Note bekommen. Es ließe sich jetzteine endlose Debatte anführen, dass unser Schulsystem unfair sei, dass eine gerechte Bewertung nur anonymisiert möglich sei und und und. Fakt ist aber, das Leben ist kein Zuckerschlecken und was schon immer war, das wird wohl auch weiterhin so sein, du wirst zu 99,9 % nach deinem Auftreten beurteilt und nicht nach deinen Leistungen. Dieser unfaire Missstand hat aber auch eine positive Kehrseite, wenn du dich gut verkaufen kannst, dann ist eine gute mündliche Note auch dann möglich, wenn du von Molekülen und Aggregatszuständen nicht den Hauch einer Ahnung besitzt.

#2 Dein Ruf ist alles, PART 2

Schule ist eine kleine Löwengrube. Friss oder stirb, pubertierende junge Menschen sind grausam. Ich hatte den größten Stress mit Klassenkameraden und meine Motivation, diesen Menschen Tag für Tag zu begegnen hielt sich in Grenzen (das meiste entspannt sich jedoch in der Oberstufe, da hat nämlich niemand mehr Zeit für unnötige Zickereien). Wir sind nun mal alle in einem Alter, indem sich teilweise unser Weltbild um 180 Grad dreht, Freundschaften leben sich auseinander, neue werden geschlossen, das führt nun mal zu Reibereien und Zickenterror. Entweder bist du Teil der „coolen“ Clique oder du bist es halt nicht – was klingt wie ein klischee-überzogener, amerikanischer Teeanger-High-School-Film tritt zumindest in abgeschwächter Form eines jeden im Schulleben auf.

#3 Du wirst auf die Nase fallen

Schule ist schwer. Auch für jemanden, der im Abibuch das Streberchen ist. Ich sitze hier Woche für Woche in dem Mathematik-Unterricht der 13. Klasse und habe teilweise nicht mal die Idee für einen Ansatz. Mein Kopf raucht, meine Motivation sinkt und manchmal bin ich geneigt, den Taschenrechner an die Wand zu werfen und „Fuck it, I’m off“ zu brüllen und den Raum zu verlassen.  Dumm, wenn dieses Gefühl von blanker Ahnungslosigkeit in einer Klausur auftritt und noch dümmer, wenn die Quittung in Form einer geringen Punktzahl unter der Klausur auftaucht. (Ich habe einmal 8,5 von 38 Punkten in einer Chemie-Klausur erreicht und ich war der Lehrerin ganz dankbar, dass sie nicht noch druntergeschrieben hat, welcher Note das entspräche). Schule wird die Frustrationsgrenze der meisten sehr strapazieren – das lässt sich, denke ich, so in den Raum stellen. Das Gute, was auch meine Klasse irgendwann herausfand: Wir können alle kein Chemie und im Kollektiv zu scheitern ist fast schon amüsant. Also Kopf hoch, wenn du etwas nicht verstehst, es finden sich immer Gleichgesinnte.

#4 Schule kann doch tatsächlich auch Spaß machen.

Okay, diesen Satz erzählen einem vermutlich alle Eltern an der Einschulung „Das wird voll viel Spaß machen und du lernst super tolle neue Leute kennen und jetzt bist du schon groß und Schule ist ja sooo viel besser als der Kindergarten“ – also erstmal: Nein, Schule ist nicht besser als Kindergarten und darüber diskutiere ich nicht, ich hatte nie wieder so viel Spaß wie beim Malen, Basteln und in der riesigen Spielküche im Kindergarten. ABER: Ich habe tatsächlich super tolle neue Leute kennengelernt. Erst in der Oberstufe traf ich auf meine beste Freundin und ich danke dem Schicksal wirklich sehr, dass ich dieses Mädchen kennengelernt habe. Und es ist tatsächlich ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn du als Oberstufenschüler zu Lidl gehen darfst und nicht mehr „zu klein“ bist, um den Schulhof ohne Aufsicht zu verlassen. Und manche Lehrer sind wirklich so saucool, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr raus kommt – da macht dann auch die 5. Wiederholung deutscher Geschichte Spaß. Es soll also nicht nur gemeckert werden über die Jahre, die häufig als der „Beginn des Ernst des Lebens“ bezeichnet werden, man kann durchaus Spaß an/in/vor/nach der Schule haben.

#5 Du wirst, menschlich gesehen, sehr an deiner Schulzeit wachsen.

Abgesehen davon, dass ich etwa 66cm während meiner gesamten Schulzeit gewachsen bin, hat mir das Sitzen auf den unbequemen Stühlen auch menschlich etwas gebracht. Ich lernte, unter Zeitdruck zu arbeiten, lernte, dass mein Zeitmanagement noch nicht ausgereift war, ich aber durchaus in der Lage bin, es zu optimieren. Ich lernte eine Menge unterschiedlicher Menschentypen kennen und auch, wie ich am besten mit ihnen umzugehen hatte. Ich hatte Lehrer, die meine Präsentationen auf der Hälfte der Strecke in der Luft zerrissen haben, aber ich lernte dadurch, wie man besser mit Power Point umgeht. Ich lernte, mit Misserfolgen umzugehen, konkret heißt das: Früher hab ich bei einer schlechten Note geweint, heute fluche ich nur kurz und zeige dann, dass ich es besser kann. Gerade in der Oberstufe lerne ich Kaffee und Mittagsschläfchen schätzen – Google und die vielen Seiten, auf denen andere die gleichen Hausaufgaben praktischerweise schon erledigt hatten, auch.

Ich lernte aber vor allem (und dieser Punkt ist hierbei eigentlich der wichtigste), dass alles irgendwann ein Ende hat,egal ob der Frischling-Status, der lässige Mittelstufler-Ruf oder aber jetzt meine gesamte Schulzeit – und ich oute mich hier und gebe zu: Ja, ich werde einiges an der Schulzeit vermissen.

1 comment on “Was sie dir vor der Schulzeit nicht erzählen

  1. Pingback: 2015 auf linnmaira |

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