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Das kleine fame orangefarbene Herz

Heute ist Sonntag, ein guter Zeitpunkt einmal wieder die Karten ehrlich auf den Tisch zu legen und einen kleinen Absatz über eine uns allzu bekannten menschliche Schwäche zu schreiben. Eine, die gerade in unserer Generation dauerhaft im Raum steht. Wir leben in einer Welt, in welcher wir unseren Wert als Menschen von Likes abhängig machen. Wie kann es sein, dass #instagramrapture so viel Aufsehen erregt – wenn es uns doch eigentlich egal sein könnte, ob XY nun jetzt so oder so viele Follower hat? Wieso fühle ich mich persönlich beleidigt, wenn jemand anders seine Follower kauft – das kann mir doch ziemlich egal sein, schließlich bin ich nicht weniger wert, wenn da 5K weniger bei meinen Followern steht.

Aber anstatt, dass sich darüber gefreut wird, wenn uns in der Öffentlichkeit ein Mensch ein Lächeln schenkt, sabbern wir gierig Likes hinterher. Wachen morgen auf, checken unser Smartphone, hoffen, dass bei Instagram eine möglichst hohe Zahl neben dem kleinen orangefarbenen Herzen auftaucht.

Uncool ist, wer wenig Likes, Favs, Retweets usw. bekommt – die famen (hipster-language für beliebt, super, begehrens- und anstrebenswert) Menschen in unserer Gesellschaft hingegen scheinen die Masse an Social-Media-Nutzern anzusprechen.

Und es macht mich traurig. Es macht mich traurig, dass ich in unserer Gesellschaft anscheinend uncool bin, wenn ich nicht mainstream-kompatibel bin. Seien wir mal ehrlich, wenn ich möchte, dass mein Instagram schnell erfolgreich wird, dann poste ich zuckerwatterosa Bilder, mit MK-Tasche, Ugg-Boots, meinen VS-Bodysprays und so weiter und so fort. Ich weiß nämlich, dass das „inspo“ ist und „inspo“ verkauft sich gut.

Ich saß neulich im Einkaufszentrum neben zwei Mädchen, die beiden scrollten durch ihren Instafeed (ja, in diesem Moment gebe ich zu, dass ich auf ihr Handy geschielt habe) und die eine sagte zur anderen „Guck dir mal die an, die ist sooooo toll, voll mein Vorbild“. Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr die Augen verdreht, weil ihr etwas nicht glauben könnt? So in etwa muss ich ausgesehen haben. Dass diese Mädchen von einem Instagram-Account auf eine Person schließen wollen, ist das dabei der erste Fehler. Denn im Endeffekt würden dann wohl etwa 1000000 exakt gleiche Personen existieren. 100000 Personen mit einer großen Zahl vor dem k.

Bedeutet das umgekehrt, dass jemand, wenn er sich nicht eine klassische Marketingstrategie und Zielgruppenanalyse zu Nutze macht (und so kann Instagram heute leider schon in vielen Fällen bezeichnet werden) nicht toll und voll ein Vorbild sein kann?

Ich will niemanden an den Pranger stellen, als oberflächlich oder leicht manipulierbar bezeichnen – aber ich würde mir so sehr wünschen, dass wir aufhören Menschen an Likes zu messen. Dass wir auch nicht Menschen in Social-Media-Kanälen sehen, sondern uns sehr deutlich bewusst machen, dass das eine kreierte Figur ist, fiktional und nur ein Bruchteil der echten, dahinter stehenden Persönlichkeit. Und zum Schluss wünsche ich mir, dass ihr euch nicht davon beeinflussen lasst, wieviele Leute euch followen oder eure Posts faven. Ihr seid mehr als das – aber wenn ihr das vergesst und ich bin ehrlich, ich habe es schon vergessen, dann kann dieser ganze Social-Media-Konkurrenzkampf mehr als grausam sein. Bleibt ihr selbst, unabhängig davon, ob ihr damit jetzt in ein Massenkonzept passt oder nicht.

xx

Linn

1 comment on “Das kleine fame orangefarbene Herz

  1. Pingback: 2015 auf linnmaira |

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