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Wir müssen uns nicht lieben, aber wir müssen uns zuhören.

#jesuischarlie #prayforparis – so ziemlich jedem, möge er den Nachrichten und Social-Media-Kanälen noch so fern bleiben, werden diese beiden Hashtags aufgefallen sein.

Ich bin ehrlich, das Drama um den Tod zwölfer Franzosen des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hat mich die komplette letzte Nacht beschäftigt. Für mich geht es hier nicht darum, welche Gruppe oder Organisation dahinter steckt – es geht um das Endresultat. Dass Menschen im 21. Jahrhundert für ihre Meinungen sterben mussten, das will einfach nicht in meinem Kopf.

Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass sie es sagen dürfen. (Voltaire – frz. Philosoph)

Nicht nur, dass Kinder ihre Väter nicht mehr nach Hause kommen sehen werden, Ehefrauen ihre Ehemänner nicht – es ist für mich ein mulmiges Gefühl in einer Welt zu leben, in welcher ich Angst haben muss, wenn ich für das eintrete, was meiner Meinung nach richtig ist.

Wir dürfen uns eigentlich so glücklich schätzen, dass wir ein Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit haben – muss erst so ein schlimmes Attentat passieren, damit wir uns das wieder ins Gedächnis rufen? Dass die Karikaturen von „Charlie Hebdo“ von politisch korrekt etwa so weit entfernt waren, wie ich von glatten Haaren – da besteht kein Zweifel. Aber was hätten wir schon davon, wenn wir alle politisch korrekt wären, nahezu übermoralisiert?

Dass wir, aufgrund unserer unterschiedlichsten Meinungen, Religionen, Herkunften, NIE der gleichen Ansichten sein können, dass sollte jedem bewusst sein. Dennoch gibt es hier niemanden, der einem anderen das Recht nehmen darf, seine Position zu beziehen. Und mal ehrlich, was ist eine Diskussion ohne Gegenpart? Wir sind Menschen, einer wie der andere. Sollte unser höchstes Ziel nicht sein, jemanden mit Argumenten zu überzeugen, anstatt ihn zum Verstummen zu bringen? Wie kann ich so blind vor Wut sein, dass ich vergesse, dass hinter den Worten oder Zeichnungen immer noch ein Mensch mit Gefühlen, guten und schlechten Tagen und Familie steht? Woher nehme ich mir das Recht, eine Meinung durch Mord auszulöschen?

Für mich macht es keinen Unterschied, wer hier aufgrund welcher Meinung wen umgebracht hat – zumal man mit Anschuldigungen vorsichtig sein sollte, wenn die Wahrheit noch nicht bekannt und die Täter samt Motive verschwommen und undeutlich sind.

Mich macht es nur unglaublich traurig, dass diese Menschen jetzt sterben mussten, mich macht es auch traurig, was für Anschuldigungen sich jetzt Muslime auf dieser Welt sich anhören müssen – mich macht die Unmenschlichkeit und das Nehmen der Freiheit traurig.

Wir müssen uns nicht alle lieben – aber wir müssen uns zuhören und auch bereit sein, dass andere unsere Kerngedanken nie als die ihre bezeichnen werden. Mein tiefstes Beileid gilt den Angehörigen der Opfern und all den Menschen, die nun Angst haben müssen, auszusprechen, was sie bewegt – unabhängig ihrer religiösen oder politischen Einstellung.

1 comment on “Wir müssen uns nicht lieben, aber wir müssen uns zuhören.

  1. Pingback: 2015 auf linnmaira |

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