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Denn ich will echt sein.

Ich erzählte neulich jemanden, den ich noch nicht so lange kannte, dass ich blogge. Dass ich mein Leben seit mehreren Jahren mit Menschen teile, die ich nicht kenne. Ich weiß nicht, ob sie groß oder klein sind, dick oder dünn, ob sie meine Ansichten teilen oder ob sie mir am liebsten dafür eine scheuern würden. Ich weiß nicht, ob sie mich insgeheim auslachen, oder mit mir mitfühlen. Ich weiß nicht, wer mich jetzt „kennt“.


– Fühlt sich das nicht komisch an, Linn? Wenn du das Gefühl hast, dass du dein Innerstes mit Wildfremden teilst, ihnen indirekt von deinem Liebeskummer erzählst, deine Sorgen und Selbstzweifel preisgibst?

Und ich guckte ihn an, verschränkte die Arme vor der Brust und dachte nach:
Nein, eigentlich nicht – also ich gebe zu, am Anfang hat sich das komisch angefühlt und stell dir mal vor, ich date jemanden und der kann gefühlt mein ganzes Leben nachlesen, all diese Gefühle, die ich mal in Situationen empfunden habe – und dann niedergeschrieben.
Aber ich möchte auch echt sein. In meiner Generation gibt es genügend Menschen, die vorgeben sehr glücklich zu sein, dauerhaft. Und ich finde das falsch, denn, irgendwie vermittelt das so ein falsches Bild, niemand kann dauerhaft glücklich sein, solche Blogger vermitteln das Bild, dass es sie irgendwie von einem anderen Stern sind – und das dies etwas erstrebenswerte sein.
Ich glaube es erfordert Mut, zu zeigen „Hey, mir gehts echt scheiße, ich bin nicht unantastbar, ich bin nicht so stark wie ich möchte, dass andere von mir denken.“
Aber wenn ich mich im Internet zeige, dann versuche ich diesen Mut aufzubringen. Denn ich will echt sein. Ich will, dass jemand meinen Text liest und sich denkt: „Okay hey, das Gefühl kenne ich und hey, anscheinend geht es anderen auch so, dann kann es ja nicht schlecht sein, zu trauern, zu motzen, zu weinen und die Welt zu verfluchen.“
Und ich kann mir auch nicht vorstellen (zumindest im Moment nicht), dass ich es jemals bereuen werde. Was ist schlimm daran, zu seinen Gefühlen zu stehen? Zu sagen: „Gut, ich bin auch nur ein kleines Menschlein und die Welt ist nicht immer nur rosarot, aber ich akzeptiere das und morgen wird bestimmt besser.“
Niemand kann dauerhaft „Strahlemann und Söhne“ sein, das ist einfach nicht möglich, wenn wir nicht traurig sind, dann wissen wir auch nicht mehr, was es heißt glücklich zu sein.
Und aus diesem Grund stehe ich zu jedem Teil und jedem Gefühl von mir, mag es vorteilhaft sein oder nicht – das bin ich, ein echter Mensch. Und nur weil ihr mich hier nicht live und in Farbe seht, sondern nur die Worte lest, welche durch einen Code in das Internet geschleust werden und die Bilder, welche meistens in einem halbwegs attraktiven Moment geschossen wurden, bedeutet das nicht, dass ich nicht ehrlich sein kann – denn das ist sicherlich das, was mich ausmacht und das, worauf ich stolz bin.

Mein Fragesteller machte ein nachdenkliches Gesicht. Er guckt mich an, legt den Kopf schief und sagt „Ich würde das niemals machen Linn, ich würde nicht wollen, dass Fremde in meinen Kopf gucken können, aber irgendwie ist deine Begründung logisch und wenn das für dich in Ordnung geht, dann ist der vermutlich der richtige Weg für dich.“

xx
the real slim shady
Okay, ne Spaß, Linn natürlich.

2 comments on “Denn ich will echt sein.

  1. Pingback: 2014 auf linnmaira | linnmaira

  2. Hey, hab grade dein neues Design entdeckt, das ist ja richtig toll geworden! Ich liebe deinen „neuen“ Blog jetzt schon:) Auch den Post finde ich richtig gut, vor allem deine Einstellung, auch die schlechten, traurigen und wütenden Momente in deinem Leben mit uns zu teilen, dafür bewundere ich dich!
    Ganz liebe Grüße,
    Alina

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